Gemeinsam mit Bioökonomie im Strukturwandel

Das Prinzip Zufallsauswahl

Für die Bürgerversammlung und die Bürgerräte im Projekt BioökonomieREVIER führt das Institut für Demokratie- und Partizipationsforschung an der Bergischen Universität Wuppertal (IDPF) gemeinsam mit dem Kulturwissenschaftlichen Institut in Essen (KWI) eine Zufallsauswahl der Teilnehmenden durch.

Damit stellt das Forschungsteam sicher, dass alle Interessen und Lebenslagen aus dem Revier vertreten sind.

Bürgerbeteiligung ist nicht gleich Bürgerbeteiligung. Es gibt vielfältige Formen, Verfahren und Methoden. So unterschiedlich wie die Zielsetzungen und Themen sein können, so verschieden sind auch Dauer, Ablauf und Ergebnisse von Beteiligungen. Das gilt grundsätzlich auch für die Möglichkeiten zur Mitwirkung: Ob und auf welche Weise die Bürgerinnen und Bürger teilnehmen können, lässt sich ganz unterschiedlich regeln. So kann sich eine Beteiligung ganz allgemein an alle Bürgerinnen und Bürger richten und damit allen interessierten Menschen offenstehen. Im Unterschied zu dieser sogenannten Selbstselektion lässt sich der Zugang zu einer Bürgerbeteiligung aber auch reglementieren. Dies geschieht durch eine gezielte z. B. eine zielgruppenspezifische Auswahl oder eine Zufallsauswahl. Mit der Art der Auswahl wird bestimmt, wie sich der Kreis der Teilnehmenden zusammensetzt. Dies wiederum bestimmt auch Qualität und Reichweite der Beteiligungsergebnisse maßgeblich.

So zeigt die Partizipationsforschung immer wieder, dass sowohl der Wille als auch die Fähigkeit zur Beteiligung in den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen und Lebenslagen höchst ungleich verteilt sind. Diese Bereitschaft hängt ab z. B. vom politischen Interesse, vom Thema, vom Zeitpunkt und -aufwand, aber auch von den finanziellen Möglichkeiten der einzelnen Personen. Folge ist, dass Bürgerbeteiligungen, die grundsätzlich für alle Interessierten offen sind, häufig sehr einseitig besetzt sind. Sie werden oftmals dominiert von artikulationsstarken gesellschaftlichen Gruppen mit ihren spezifischen Interessen. Junge Menschen oder Menschen mit weniger finanziellen oder zeitlichen Ressourcen bleiben oft außen vor.

Sogenannte aufsuchende Bürgerbeteiligungen nach dem Zufallsprinzip, wie sie an der Bergischen Universität Wuppertal (IDPF) in den 1970er Jahren entwickelt und systematisiert wurden, wirken dieser Ungleichheit auf zuverlässige Weise entgegen. Per Losverfahren wird ein repräsentativer Bevölkerungsquerschnitt, eine sogenannte „Mini Public“, aktiv angesprochen. Ziel ist, dass Menschen unterschiedlichen Alters, mit verschiedenen beruflichen, privaten, religiösen und kulturellen Hintergründen und damit höchst unterschiedlichen Lebensstil- und Interessenlagen in der Beteiligung repräsentiert sind. Auf diese Weise können Ergebnisse mit hoher Aussagekraft und sozialer Tragfähigkeit erarbeitet werden.

Das IDPF praktiziert regelmäßig eine Kombination der Zufallsauswahl mit einer gezielten, qualifizierten Auswahl anhand bestimmter Merkmale wie Bildung, Migrationshintergrund, Alter u. ä. Dies sichert zudem, dass bestimmte gesellschaftliche Gruppen besonders berücksichtigt werden. Wird die Teilnahmebereitschaft der ausgewählten Bürgerinnen und Bürger durch Angebote wie Kinderbetreuung, Bildungsurlaub oder Aufwandsentschädigung unterstützt, gewährleistet die Zufallsauswahl, dass die Teilnehmenden auch die gesamte Bürgerschaft vertreten.

Autorin: Nora Freier, IDPF, Bergische Universität Wuppertal

Institut für Demokratie- und Partizipationsforschung (IDPF)

 

Ansprechpartnerinnen

Anke Krüger

Kommunikation

Koordinierungsstelle BioökonomieREVIER

02461-61 85448

Sonja Knobbe

Bürgerbeteiligung

Kulturwissenschaftliches Institut KWI, Essen

0201-1838 163

FZJ

Erklärt: was ist Bürgerbeteiligung?

Teilhabe oder Mitgestaltung der Bürger an einem Planungsund Entscheidungsprozess durch Information, Konsultation oder Kooperation.

Im Rheinischen Revier gibt es für die Umstellung auf bio-basiertes Wirtschaften einen eigenen Beteiligungsprozeß zum Thema Bioökonomie.

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