01.09.2026
Trockenresistent und blütenreich: Ist diese Pflanze eine Chance für das Rheinische Revier?
Von Mumiengewändern über Salben bis hin zu Hydrauliköl – der Saflor (Färberdistel / Carthamus tinctorius) ist ein Multitalent und eine Pflanze mit großem Potenzial für die Bioökonomie im Rheinischen Revier. Auf einigen Testflächen wird sie bereits angebaut.
Die verschiedenen Saflor-Sorten sind vielseitig einsetzbar. Einige zeichnen sich durch einen hohen Anteil an Linolsäure (circa 75 Prozent) und viel Vitamin E aus. Sie begegnen uns heute im Speiseöl, in der Margarine und in Gummibärchen im Supermarkt oder als Gesichtscreme in der Drogerie. Im Kunst- und Bastelbedarf wird es als Bindemittel für Ölfarben benutzt.
Doch die Pflanze kann noch mehr: In der Industrie lässt sich ihr Öl für die Herstellung von Farben und Lacken nutzen. Damit kann Saflor dazu beitragen, fossile Rohstoffe teilweise zu ersetzen. Ganz im Sinne einer Kaskadennutzung können dann die proteinreichen Pressrückstände zu Tierfutter weiterverarbeitet werden.
Außerdem dient die Pflanze, wie der Name schon verrät, seit jeher als Färbepflanze. Aus den Blütenblättern lässt sich rotfärbendes Carthamin gewinnen sowie der gelbe, aber nicht lichtechte gelbe Blütenfarbstoff Carthamidin. Einige Fruchtgummis und Kosmetik-Produkte werden auch heute mit Saflor gefärbt.
Saflor dient zudem als Nahrungsquelle für Honigbienen und andere Bestäuber. Sie trägt so zur biologischen Vielfalt in landwirtschaftlich geprägten Regionen bei.
Mehr Infos: Brennnesseln und Färberdistel – ein Traumpaar der Bioökonomie?
Aufgrund ihrer Vielseitigkeit ist die Pflanze für BioökonomieREVIER ein echter Kandidat für neue Wertschöpfungsketten im Rheinischen Revier. Möglicherweise lassen sich sogar noch Synergien mit anderen Sonderkulturen finden – etwa der Brennnessel.
Ihren breiten Nutzen haben die Menschen schon in der Antike erkannt. Ursprünglich aus der heutigen Türkei und Iran stammend, wurde sie bereits von den alten Ägyptern als Färbemittel für Mumienleinwände genutzt. Anderenorts schätzte man sie als Inhaltsstoff für Salben und als Lampenöl. Unter dem Namen Asfrole war sie im 14. Jahrhundert bereits im deutschsprachigen Raum bekannt.
Saflor bietet Vorteile für das Rheinische Revier
Neben den Namen Saflor und Färberdistel sind weitere Trivialnamen bekannt, beispielsweise Bürstenkraut, Distelsaffran oder Gartensaflor. In Mitteleuropa wurde sie seit dem 17. Jahrhundert systematisch angebaut, etwa im Elsass oder in Thüringen. Sie diente als Safran-Ersatz, zum Färben von Speisen und als medizinisches Produkt.
Mitte des 18. Jahrhunderts ging ihre Bedeutung rapide zurück. Es war billiger, Saflor und Safran aus dem Osten und aus Ägypten zu importieren. Als Textilfärbemittel drängten synthetische und günstigere Farbstoffe auf den Markt.
Seit Ende des 20. Jahrhunderts erlebt der Saflor aufgrund seiner ölhaltigen Sorten eine Renaissance. Heute wird die Pflanze weltweit angebaut.
Link: Mehr zum Saflor: Acht Sorten im Härtetest: Die Suche nach der idealen Färberdistel
Im Rheinischen Revier versucht BioökonomieREVIER gemeinsam mit Partnern aus Forschung und Industrie, neue Geschäftsmodelle für und mit ihr zu erschließen. Landwirtschaftlich bietet die Pflanze viele Vorteile: Sie gilt als trockenheitstolerante und vergleichsweise anspruchslose Kulturpflanze.
Der Anbau lässt sich weitgehend in bestehende landwirtschaftliche Strukturen integrieren: Für Aussaat, Pflege und Ernte können die in der Landwirtschaft üblichen Maschinen eingesetzt werden. Die Samen lassen sich beispielsweise mit einem herkömmlichen Mähdrescher ernten. Dadurch sind für den Anbau keine speziellen Maschinen erforderlich.
Saflor ist also eine Sonderkultur, die im Rheinischen Revier echten Mehrwert erzielen könnte – für die Landwirtschaft, die Industrie und die Biodiversität.
Text von Eva Johanna Onkels