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07.10.2020

Große Resonanz bei Agroforstveranstaltung von BioökonomieREVIER

alt Forschungszentrum Jülich/ BioökonomieREVIER

Diese Frage wurde im Rahmen einer virtuellen Informationsveranstaltung der Koordinierungsstelle BioökonomieREVIER am 5. Oktober 2020 diskutiert. Die Referenten waren führende Agroforst-Experten aus Deutschland, unter anderem die Vorsitzenden des Deutschen Fachverbandes für Agroforstwirtschaft (DeFAF).

Klimawandel, neue politische Rahmenbedingungen oder die kritische Betrachtung durch die Verbraucher setzen die Landwirtschaft unter hohen Erfolgsdruck. Benötigt werden deshalb innovative Anbausysteme, um nachhaltige Lösungen für diese drängenden Herausforderungen zu finden.


Als Agroforst werden Landnutzungssysteme bezeichnet, bei denen Gehölze - Bäume oder Sträucher - mit Ackerkulturen oder Grünland und bzw. oder Tierhaltung auf der gleichen Fläche kombiniert werden. Durch die verschiedenen Komponenten entstehen ökologische und wirtschaftliche Vorteile. Beispiele sind Streuobstwiesen, Pappelanbau in Hühnerausläufen, integrierte Energie- oder Wertholzstreifen auf Acker und Grünland und Gewässerrandstreifen. Im Rahmen des Strukturwandels im Rheinischen Revier könnten durch Agroforstsysteme neue regionale Produkte und Wertschöpfungsoptionen entstehen.

Dr. Christian Böhm (BTU Cottbus) betonte die Vielfalt von Agroforstsystemen, die im Rheinischen Revier möglich sind: Neben Baumstreifen mit Wert- und Energieholz oder klassischen Streuobstwiesen können auch Trüffel oder Bärlauch in Agroforstsystemen angebaut werden. Laut Prof. Dr. Eike Lüdeling (Universität Bonn) können Agroforstsysteme, gerade mit Bezug auf den steigenden Druck durch den Klimawandel, eine nachhaltige Alternative für die landwirtschaftliche Produktion sein und die Diversität der Produkte steigern.

Fragen der rund 70 Teilnehmenden zeigen ein hohes Interesse an der praktischen Umsetzung z.B. welche Baumarten für ein Agroforstsystem im Rheinischen Revier geeignet sind oder was beim Pflanzenschutz berücksichtigt werden muss. Praktische Erfahrungen bei der Anlage und Pflege von Agroforstsystemen stellte der Landwirt Thomas Domin (Domin’s Hof Peickwitz) vor, der auf seinem Betrieb in der Lausitz Rekultivierungsflächen aus dem Braunkohletagebau mit Agroforstsystemen bewirtschaftet. Ein großes Hindernis für Agroforstsysteme stellt nach wie vor jedoch die oft unklare rechtliche Situation dar, zu der Dr. Wolfgang Zehlius-Eckert (TU München) einen Einblick gab. So muss vor Anlage eines Agroforstsystems unter anderem die Frage des Ackerstatus geklärt werden.

In einer anschließenden Podiumsdiskussion mit Vertretern aus dem Rheinischen Revier wurde betont, dass bei der Anlage von Agroforstflächen die Diversität der verwendeten Arten und der Naturschutz direkt bei der Planung mitgedacht werden sollten. Gerade bei jungen Landwirten im Rheinischen Revier ist ein großes Interessen an innovativen Anbaukonzepten vorhanden. Dieser Elan kann u.a. durch den Strukturwandel gestärkt werden. Hier bieten sich etwa großflächige Reallabore an, die eine intensive Begleitforschung ermöglichen und deren Ergebnisse über das Rheinische Revier hinaus ausstrahlen könnten.

Die Koordinierungsstelle BioökonomieREVIER wird zukünftig einen Verteiler für Agroforst-Interessierte im Rheinischen Revier einrichten und einen Stammtisch zur Vernetzung organisieren. Weitere Informationen gibt es in Kürze hier.

Eine weitere Anlaufstelle für Informationen zum Thema Agroforst ist der Deutsche Fachverband für Agroforstwirtschaft (www.defaf.de).

 

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