27.03.2026
Neu gedacht! So wird aus Bürgewald ein Bioökonomie-Profilort
Gelegen zwischen Feldern, Tagebau und verlassenen Gebäuden soll aus Bürgewald ein Modellort für die Bioökonomie werden. Ein lebendiges Dorf, in dem „Bioökonomie“ nicht nur ein Begriff aus der akademischen Welt ist, sondern aktiv gelebt wird.
Wie das geht, schilderte Prof. Dr. Wolfgang Wackerl beim ersten Regionalforum Bioökonomie 2026 – „Wirksam vor Ort“, veranstaltet von BioökonomieREVIER in Zusammenarbeit mit der Zukunftsagentur Rheinisches Revier.
Dass das Dorf, das dereinst abgebaggert werden sollte, heute noch steht, hat seinerzeit die ehemaligen Bewohner überrascht, sagte Inga Dohmes, Vorsitzende des Vereins Bürgewald e. V.: „Das haben wir als Umsiedler nicht kommen sehen.“
Jetzt braucht es einen guten Neuanfang, denn die meisten Menschen haben das Dorf schon vor Jahren verlassen. Gemeinsam mit dem Büro stadtland IMPULS hat BioökonomieREVIER in verschiedenen Workshops Ideen erarbeitet, wie das geschehen kann. Im Masterplan der Gemeinde Merzenich ist die Bioökonomie für Bürgewald bereits fester Bestandteil. Jetzt sollen ihn zahlreiche Akteure aus dem Rheinischen Revier und darüber hinaus mit Leben füllen. So soll ein sogenannter Profilort entstehen.
Hinter dem Begriff verbirgt sich die Idee, einen Rahmen zu schaffen, um „ein Ökosystem, das wir im Großen bauen möchten, im Kleinen vorzumachen“, erläutert Prof. Dr. Wolfgang Wackerl von der Alanus-Hochschule Alfter. Dabei geht es nicht darum, mehrfach dieselben Ideen und Konzepte umzusetzen, sondern für jeden Profilort ein eigenes Portfolio zu entwickeln. „Jeder Profilort soll das tun, was er am besten kann.“
Bürgewald als Ort zum Ausprobieren für Handwerker und Forscher
In Bürgewald konzentriert sich die Entwicklung zurzeit besonders auf die ehemalige Reitanlage Neesenhof, wo BioökonomieREVIER bereits Büroräume bezogen hat. Künftig könnten sich hier Start-ups und Handwerksbetriebe ausprobieren. Gleichzeitig könnte der Standort als Aus- und Weiterbildungszentrum für Fachkräfte sowie als Anlaufstelle für alle Fragen rund um das Thema Bioökonomie dienen.
Ein weiterer Ort ist der Agri-Food-Energy-Park des Forschungszentrums Jülich – nur wenige Meter vom Ortseingangsschild entfernt. Neben der aktuellen Ausrichtung auf die Forschung könnten dort etwa Lernorte für Schüler und Studierende entstehen oder praktische Weiterbildungsflächen für Landwirte eingerichtet werden.
Auch die weitere Umgebung haben Wackerl und die Workshop-Teilnehmer in den Blick genommen – beispielsweise durch eine biologische Kläranlage, die die Abwässer Bürgewalds direkt vor Ort säubert.
Die Chancen sind da – jetzt gilt es, sie zu nutzen. Diesen Gedanken griff auch Inga Dohmes auf: „Es ist eine große Chance für die Gemeinde Merzenich – jetzt warten wir, dass der Startschuss fällt.“
Ein Text von Eva Johanna Onkels
Wer Interesse daran hat, einen eigenen Profilort für Bioökonomie zu etablieren, kann sich jederzeit an unseren Transformationsmanager für die Region, Christian Wirtz, wenden.