19.06.2026
Vom lästigen Unkraut zum gefragten Rohstoff?
Ob am Wegesrand, auf dem Feld, im heimischen Garten – die Brennnessel kennt fast jeder. Was nur wenige Menschen wissen: Die Große Brennnessel (Urtica dioica) ist ein echtes Multitalent in Sachen Bioökonomie und bietet Potenzial für neue Wertschöpfungsketten im Rheinischen Revier. Also: von wegen, brennt nur!
Gemeinsam mit der AgPrime GmbH aus Baesweiler und dem Gut Caspershof aus Titz möchten wir erproben, welche Nutzungsmöglichkeiten die Brennnessel noch bietet. Im Rahmen der EU-Förderung CircuPlantection untersucht AgPrime bereits heute, wie sich Brennnesselextrakte für den Pflanzenschutz nutzen lassen.
Ein weiteres regionales Einsatzfeld ist die Nutzung der Pflanze als Nahrungsmittel. Denn Brennnessel-Extrakt, bestehend aus der konzentrierten Form der Blätter und Wurzeln der Pflanze, enthält wertvolle Nährstoffe und Mineralien, unter anderem Vitamin A und C, Eisen und Kalzium sowie Antioxidantien. Sie eignet sich zudem als Proteinlieferant und ist daher eine Alternative zu Soja.
Kein Wunder also, dass es schon heute eine große Nachfrage für Brennnesselprodukte gibt: Schon 2023 wurde der Brennnessel-Extrakt-Markt auf etwa 150 Millionen Dollar geschätzt. Der Markt könnte bis 2032, so die Prognosen, jährlich im Durchschnitt um acht Prozent wachsen.
Wertvoll für die Kosmetik-Industrie und Schmetterlinge
Darüber hinaus wollen wir uns anschauen, wie gut sich die weniger genutzten Pflanzenteile und Reststoffe als mögliches Tierfutter eignen. Aufgrund ihres hohen Proteinreichtums könnte die Pflanze als Ersatzstoff für Soja dienen. Außerdem wollen wir herausfinden, ob Brennnesseljauche unsere Färberdistel vor Pilzen schützen kann und ob ihr Öl als Ersatzstoff für die Kosmetikindustrie wirtschaftlich ist.
Daneben tragen Brennnesseln auch viel zur Biodiversität bei. Die Pflanze ist für die Raupen von gut 50 Schmetterlingsarten eine Futterpflanze. Mehrere bekannte Arten wie der Admiral, das Tagpfauenauge und der Kleine Fuchs sind sogar vollständig auf sie angewiesen. Damit zeigt sich: Bioökonomie unterstützt nicht nur die Wirtschaft – sie sichert gleichzeitig Lebensräume für zahlreiche Insektenarten.
Haben wir Ihr Interesse geweckt? Wir suchen neue Partner für eine Brennnesselwirtschaft entlang der gesamten Wertschöpfungskette! Melden Sie sich bei Dr.-Ing. Theodosia Kourkoutsaki!