30.03.2026
Grenzenlos gedacht: Warum Bioökonomie überregionale Zusammenarbeit braucht
Wer seine Augen nur auf die eigene Region richtet, verpasst Chancen.
Das machten verschiedene Speaker beim ersten Regionalforum Bioökonomie, organisiert von BioökonomieREVIER gemeinsam mit der Zukunftsagentur Rheinisches Revier, deutlich.
Das Rheinische Revier steht nicht allein mit seinen Herausforderungen. Überall in Europa finden gerade regionale Transformationsprozesse statt. Daher sei es oft angebrachter, in Funktionsräumen statt in politisch festgelegten Grenzen zu denken. So können Regionen nicht nur voneinander lernen, sondern zum Beispiel auch Rohstoffe untereinander austauschen, erklärt Jan-Philipp Kramer, Leitung EU-Services bei der Prognos AG. Gerade die Bioökonomie ist ein Paradebeispiel für dieses Denken, denn für die Etablierung einer solchen Wirtschaftsweise muss entlang verknüpfter Wertschöpfungsketten neu gedacht werden.
Regionen müssen darauf achten, dass sie eine Bioökonomie entwickeln, die zu ihnen passt. Als Modellregion für Bioökonomie im Rheinischen Revier möchte BioökonomieREVIER ein Leuchtturm für andere Regionen sein. Doch was im Rheinischen Revier funktioniert, lässt sich nicht überall eins zu eins übertragen.
Wolfgang Marquardt, Prokurist bei der OWL GmbH aus Ostwestfalen-Lippe, erklärt das Problem: „Wir haben zwar ähnliche Herausforderungen wie das Rheinische Revier – wir arbeiten sehr intensiv an der Transformation zur Nachhaltigkeit“, allerdings seien die Voraussetzungen andere. „Wir sind bei den Produzenten nicht so gut aufgestellt wie das Rheinische Revier“, hält Marquardt fest. Zwar wolle man mit biobasierten Werkstoffen arbeiten, „100 zirkuläre und bioökonomische Produkte und Dienstleistungen entwickeln“, aber die Umsetzung sei schwierig. Der Markt bilde den Bedarf nicht ab, „die Zulassungen sind schwieriger, die Preise höher und auch das Vertrauen der Kunden in neue Werkstoffe ist erst einmal niedriger“, so Marquardt.
Rohstoffe, Expertise - Austausch über Grenzen hinweg fördert die Bioökonomie
Von einer besseren Zusammenarbeit können allerdings alle profitieren: Nicht nur ließe sich so ein Rohstoffaustausch organisieren – im Rheinischen Revier gäbe es eine deutlich stärkere Landwirtschaft –, sondern auch ein Wissensaustausch. „Wir können die Rohstoffe nicht abdecken, aber Ostwestfalen-Lippe hat in den Bereichen Holz und Chemie Expertise. Diese könnte auch für das Rheinische Revier eine wichtige Ressource sein.“
Die Bedeutung solcher Kooperationen hat BioökonomieREVIER ebenfalls erkannt. „Wir stehen bereits im Austausch mit anderen Regionen in Deutschland, etwa durch Delegationsbesuche oder Messebesuche“, schildert Christian Wirtz, Transformationsmanager für die Region bei BioökonomieREVIER.
Allerdings könnte die Anbindung an die Kohleregionen in Deutschland noch besser werden. Durch das an BioökonomieREVIER angegliederte EU-Projekt BIO2REG wird darüber hinaus die Zusammenarbeit auf EU-Ebene maßgeblich koordiniert. In diesem Projekt steht das „Voneinanderlernen“ im Zentrum.
Ein Text von Eva Johanna Onkels