31.03.2026
Das Henne-Ei-Problem der Bioökonomie: Zuerst der Rohstoff oder zuerst die Lieferkette?
Biobasierte Kosmetika und dann auch noch direkt aus dem Rheinischen Revier – das wäre eine wunderbare Sache. Doch es gibt einen Haken. Wer muss zuerst liefern: Die Landwirtschaft, die die benötigten Rohstoffe in großer Menge liefert, oder die Industrie, die bereits eine vollständige Lieferkette erarbeitet hat?
Eine gute Bioökonomie braucht Mittel und Wege, diese gegenläufigen Wünsche von Landwirten und Unternehmen zusammenzubringen. Dass dies keineswegs eine einfache Aufgabe ist, zeigte das erste Regionalforum Bioökonomie 2026 unter dem Motto „Wirksam vor Ort“, organisiert von BioökonomieREVIER in Kooperation mit der Zukunftsagentur Rheinisches Revier.
Um herauszufinden, was Landwirte und Industrie tatsächlich voneinander brauchen, hat BioökonomieREVIER im vergangenen Jahr eine Praxisgruppe mit Vertretern aus diesen Gruppen ins Leben gerufen. „Wir wollten wissen, was die Leute in der Industrie antreibt, welche Produkte und Probleme es gibt“, erklärt Dr.-Ing. Theodosia Kourkoutsaki. Dabei wurde schnell deutlich: Zunächst muss das grundlegende Problem gelöst werden - ein klassisches Henne-Ei-Dilemma. Auch auf dem Podium des Regionalforums wurde dieser Engpass erneut thematisiert.
Die Industrie hat einen großen Wunsch nach heimischen Produkten, erklärte Peter Greven, Geschäftsführer der Peter Greven GmbH. Doch es müssen auch die richtigen Produkte geliefert werden können.
Auf Seiten der Landwirte sei es kein Problem, eine neue Pflanze im Rheinischen Revier anzubauen. Die Kompetenzen seien da, der Wille auch, erklärt Dorothee Schulze Schwering, Innovationsmanagerin bei der Landwirtschaftskammer NRW. Entscheidend seien die wirtschaftlichen Faktoren. Den Anbau bekämen „die Landwirte schon hin.“ Aber sie bräuchten „einen sicheren Abnehmer. Gibt es schon eine Lieferkette? Welche Menge wird mir abgenommen? Welche Qualität muss geliefert werden?“ Diese Fragen müssen geklärt sein, bevor der Landwirt es in Erwägung ziehe, beispielsweise Brennnesseln statt Rüben auf seinen Feldern anzubauen. „Er muss daraus einen wirtschaftlichen und persönlichen Mehrwert ziehen“, schließt Schulze Schwering.
Daher müsse Geld bereitgestellt werden, um dem Landwirt einen Ausgleich zu bieten für Flächen, die er sonst sicher wirtschaftlich nutzen könnte, so Schulze Schwering weiter.
Verbraucher sind Teil der Henne-Ei-Problematik
Dass es aber nicht nur schwierig mit den Bedarfen von Industrie und Landwirtschaft ist, sondern auch der Endkunde eine Rolle spielt, macht Dirk Niehaus, Inhaber der biber Gesellschaft für ökologische Bautechnik deutlich. Er ist selbst nicht nur in der Baubranche tätig, sondern auch Landwirt. Er hat einen biobasierten Dämmstoff entwickelt. Doch bei der Vermarktung stieß er auf eine große Hürde: „Ich bin mit dem Dämmstoff durch die Republik gezogen zu Herstellern, die vergleichbare, nicht biobasierte Produkte bereits anbieten.“ Die generelle Reaktion sei zwar positiv gewesen – doch es habe immer geheißen, dass die Marktnachfrage fehle.
„Da sind wir dann wieder bei einem Henne-Ei-Problem“, hält er fest. Dieses Mal allerdings wäre der Endkonsument entscheidend: „Wenn die Menschen etwas nicht kennen, schauen sie ganz genau hin und dann haben sie Vorbehalte“, so Niehaus, und „selbst wenn sich die Leute dann entscheiden, etwas Neues auszuprobieren, sobald sie den Preis sehen, fallen viele wieder zurück in das Konventionelle.“
Am Ende bleibt die Erkenntnis: Damit eine Bioökonomie funktioniert, muss es Wertschöpfungsketten, Skalierbarkeit und Marktnachfrage geben. Dazu werden alle gebraucht: Landwirte, Industrie – und Endkonsumenten.
Ein Text von Eva Johanna Onkels