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06.10.2026

„Auch Akademiker lesen lieber einfache Texte“ - warum Bioökonomie verständliche Kommunikation braucht

Eva Johanna Onkels mit blonden Haaren und schwarzer Jacke steht vor einer bewaldeten Landschaft. Im Hintergrund ist eine Burg zu sehen. Die rechte Bildhälfte wird von einer schräg verlaufenden Wortgrafik mit Begriffen aus Medien und Kommunikation wie „Media“, „Web“, „Online“ und „Data“ überlagert. © pexels / privat

Eva Onkels (37) ist Kommunikationsmanagerin bei BioökonomieREVIER. Als ausgebildete Journalistin und Kommunikationsexpertin macht sie komplexe Themen verständlich und zeigt, was Bioökonomie für die Menschen im Rheinischen Revier bedeutet. Ihr Ziel: Bioökonomie so zu erzählen, dass sie alle erreicht.

Wie bist du zu BioökonomieREVIER gekommen?
Eva Onkels: Studiert habe ich Literatur- und Politikwissenschaft und dann beim Medienhaus Aachen volontiert. Im Anschluss war ich bei Funke in Essen und RTL in Köln. 2025 bin ich ans Forschungszentrum Jülich gewechselt. Bei BioökonomieREVIER war damals eine Stelle für einen Journalisten ausgeschrieben. Mir hat die Vorstellung gefallen, etwas an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Wissenschaft zu machen.

Was motiviert dich in deinem Job? 
Onkels: Ich erkläre Menschen gerne komplizierte Dinge auf eine einfache Weise und überzeuge sie so von einer guten Sache. Bioökonomie ist eine gute Sache – wenn man sie konsequent umsetzt. Gleichzeitig motiviert es mich, wenn Leute meine Texte lesen oder meine Videos sehen und das Gefühl haben, ihre Zeit mit etwas Sinnvollem verbracht zu haben.

Welche Fähigkeiten und Eigenschaften brauchst du in deinem Job am meisten?
Onkels: Komplexe Sachverhalte einfach herunterzubrechen zu können, ohne sie falsch werden zu lassen. Sind sie dann manchmal unpräzise? Ja. Oft ist das aber der einzige Weg, etwas wirklich breit verständlich zu machen. Außerdem sind eine gute Auffassungsgabe und ein gutes Allgemeinwissen hilfreich. Damit fällt es leichter, sich in neue Themen einzuarbeiten.


Welche Rolle spielt die Kommunikation in einem Transformationsprojekt wie BioökonomieREVIER?
Onkels: Sie spielt eine herausragende Rolle. Nur mit guter Kommunikation kann man Menschen überzeugen, dass eine Umstellung bestehender Prozesse eine gute Idee ist. Dafür ist es wichtig, verständlich und auf Augenhöhe zu kommunizieren. Oft heißt das, viel einfacher zu schreiben, als die akademische Welt es gewohnt ist – auch mit Blick auf sie selbst.

Das ist für mich eine der wesentlichen Erkenntnisse aus dem Boulevard: Auch Akademiker lesen lieber einfache, verständliche Texte. Dazu kann es schon reichen, eine Aussage auf einen einzigen, kurzen, verständlichen Satz herunterzubrechen. Das gilt für mich besonders im Bereich Online-Kommunikation. Da lautet mein Credo: Ein Satz muss auf Anhieb verständlich sein. Er darf sich nicht hinter Wortwolken verstecken.

Wie trägt gute Kommunikation dazu bei, Vertrauen und Akzeptanz für den Wandel zu schaffen?
Onkels: Es klingt trivial, aber man sollte den Menschen gegenüber immer mit Respekt behandeln, sie nicht für dumm verkaufen oder denken, sie mit schicken Worten übertölpeln zu können. Die meisten Menschen reagieren sensibel auf verklärende Marketingsprache. Sie merken, wenn man ihnen mit schönen Worten ein schlechtes Produkt verkaufen möchte.


Ich bin daher Vertreter des Spiegel-Mottos „sagen, was ist“, gewürzt mit einer Prise „sagen, was sein kann“. Visionen dürfen wir haben – aber sie dürfen sich nicht zu weit weg von der Realität bewegen. Das kann manchmal auch im Team wehtun, wenn wir aus der Kommunikation Ideen hinterfragen. Für uns ist das aber wichtig: Denn wenn es intern Schwierigkeiten gibt, überzeugend zu vermitteln, warum etwas gut und richtig ist, können wir es nach außen nicht selbstbewusst vertreten oder Nachfragen kompetent beantworten.

Wie trägst du mit deiner Arbeit dazu bei, Bioökonomie im Rheinischen Revier sichtbar zu machen?
Onkels: Ob auf LinkedIn, im Newsletter, unserer Website, in Studien, Flyern oder auf Veranstaltungen: Ich sehe es als meine Aufgabe, möglichst viele Menschen zu erreichen, die mit dem Begriff Bioökonomie noch nie zu tun hatten, obwohl bioökonomisches Handeln ihren Alltag prägt. Zum Beispiel Bäcker oder Tischler. Das bedeutet oft, eine gute Geschichte mehrfach zu erzählen und sie an die Bedürfnisse und Sprache der Zielgruppe anzupassen.

 

Das Bild zeigt eine Radfahrerin in der Aachener Innenstadt auf der Annastraße. Es hängt bereits die Weihnachtsbeleuchtung. Die Straße ist mit Kopfsteinpflaster gepflastert.
© pexels

„Die Bioökonomie bietet Millionen Menschen etwas“

Welche Herausforderungen gibt es dabei?
Onkels: Es erfordert viel Arbeit, ein Nischenthema wie Bioökonomie nach vorne zu bringen. Oft zahlt diese sich gar nicht direkt aus, sondern wird erst nach vielen Monaten oder sogar Jahren sichtbar. Das gilt insbesondere für Social Media. Wir müssen uns als Kommunikatoren daher damit beschäftigen, wie unterschiedliche Kanäle funktionieren. Und das heißt, jedes Mal neu herauszufinden: Welche Begriffe werden gesucht? Welche Themen funktionieren? Das sorgt dafür, dass Kommunikationswirkung manchmal nicht unmittelbar entsteht, sondern langfristig aufgebaut werden muss.

Zudem muss man auch immer wieder neu überlegen, ob wir nicht weitere Verbreitungskanäle nutzen müssen. Wer nur Lokalzeitung, nur LinkedIn oder nur Fachzeitschriften anspricht, erreicht immer nur einen Teil der Menschen. Möchte man mehr Menschen erreichen, braucht es auch mehr Kanäle und die zu bespielen, kostet Zeit.

Was macht dir in deinem Job am meisten Spaß?
Onkels: Mir macht es Spaß, mich immer wieder mit verschiedenen Themen beschäftigen zu können. Das hat mir schon Journalismus sehr gut gefallen. Das hat allerdings einen Nebeneffekt: Ich bin nicht im Detail in all den vielen Themen drin.

Das ist aus meiner Perspektive kein Nachteil, denn so vermeide ich Betriebsblindheit. Wenn ich etwas nicht verstehe, dann müssen es andere verständlicher erklären. Das hilft mir – und das gibt anderen die Möglichkeit, über ihre Ansätze zu reflektieren.

Ansonsten schreibe ich sehr gern und erzähle gerne Geschichten. Ich freue mich darüber, wenn ich etwas Neues entdecke. Zum Beispiel war ich neulich in einer Metzgerei – nicht in einer Filiale, sondern tatsächlich im Verarbeitungsbetrieb. Das war total spannend, ich habe echte, neue Eindrücke gesammelt und nun konkrete Vorstellungen davon, was da passiert.

Was ist das Besondere am BioökonomieREVIER-Team?
Onkels: Das Team von BioökonomieREVIER ist sehr divers. Wir kommen nicht nur aus unterschiedlichen Fachgebieten, sondern haben auch verschiedene Lebensläufe und Erfahrungen in unserem Leben gemacht. Manche waren viel in der Wissenschaft, andere in der Industrie – ich komme aus der Medienlandschaft. Das ist einfach eine andere Welt. Sprachlich, aber auch in der Herangehensweise.

Das sorgt im Alltag manchmal für Reibungen, weil wir nicht nach demselben Muster arbeiten. Ich glaube, das gehört zu so diversen Teams mit vielen unterschiedlichen Arbeitsweisen dazu. Am Ende sind wir aber alle an einer guten Lösung interessiert.

BioökonomieREVIER möchte das Rheinische Revier in eine Modellregion für Bioökonomie verwandeln. Welche Hoffnungen setzt du in die Idee?
Onkels: Ich hoffe natürlich, dass wir mit der Bioökonomie das Rheinische Revier zu einer lebenswerten Region machen, die Strahlkraft für andere Regionen hat. Aber das ist einfacher gesagt als getan. Denn das Rheinische Revier ist ähnlich divers wie wir. Es leben Menschen hier, die jeden Tag die Bagger sehen, und solche, die noch nie an der Abbruchkante waren. An den Rändern gibt es sehr starke urbane Zentren, wie Köln, Aachen oder Mönchengladbach, und landwirtschaftliche Gegenden. Wir haben eine herausragende Forschungslandschaft und eine starke, vielfältig aufgestellte Industrie. Die Bioökonomie bietet hier Millionen Menschen direkt und indirekt etwas.

Aber alle – oder auch nur eine Mehrheit der Menschen – mitzunehmen, ist wirklich schwierig, da wir viele unterschiedliche Ansatzpunkte benötigen. Zwar ist biobasiertes Wirtschaften kein neuer Ansatz – aber um sie im Heute greifbar zu machen, braucht es gute, vielseitige Kommunikation und starke Projekte. Das ist gar nicht mal so einfach. Bioökonomie prägt zwar schon Start-ups im Rheinischen Revier, aber große neue Wertschöpfungsketten und die Umsetzung unserer Vision einer Modellregion werden vielleicht erst in Jahren oder Jahrzehnten sichtbar.

Blick über ein landwirtschaftliches Versuchsfeld mit niedrig wachsenden, gelb blühenden Pflanzen. Zahlreiche pinkfarbene Markierungsstäbe kennzeichnen einzelne Bereiche. Hinter dem Feld verläuft eine von Bäumen gesäumte Straße. Im Hintergrund liegen weitere Felder und bewaldete Hügel unter blauem Himmel.
© BioökonomieREVIER / Andreas Steindl

„Bürgewald wiederzubeleben, ist keine Aufgabe von Monaten“

In Jahrzehnten?
Onkels:
Schauen wir uns das nicht abgebaggerte Dorf Bürgewald an. Hier soll ein Ort entstehen, der Leben und Arbeit verbindet und neue bioökonomische Konzepte in der Praxis erprobt. Von außen sieht es hier allerdings noch sehr nach Verfall aus, um ehrlich zu sein. Die Gemeinde Merzenich ist aber sehr aktiv, das Dorf mit Leben zu füllen, und wir von BioökonomieREVIER arbeiten daran mit. So haben wir zum Beispiel Büroräume in der ehemaligen Reitanlage im Neesenhof bezogen. Aber Bürgewald wiederzubeleben, ist keine Aufgabe von Monaten. Falls es gelingt, dann sieht man den Erfolg vielleicht erst in zehn Jahren, wenn die meisten Grundstücke wieder bewohnt sind, der Kindergarten voll mit trappelnden Füßchen ist und Dorffeste gefeiert werden.


Und dann kommt ja in 30 oder 40 Jahren der volle Tagebausee dazu. Ich glaube, diese Transformation wird gewaltig sein. Vor allem, weil mit dem (Nah-)Erholungstourismus eine völlig neue Sparte entsteht, die zurzeit keine oder nur eine untergeordnete Rolle spielt. Wir müssen jetzt den Grundstein dafür legen, dass die Bioökonomie dabei nicht unter die Räder kommt.

Was brauchen wir, damit wir unsere Vision von einer Bioökonomie im Rheinischen Revier erfüllen können?
Onkels: Wir brauchen Menschen, die bereit sind, mitzugestalten. Aus der Forschung, aus der Landwirtschaft, der Industrie, den Kommunen. Diese Menschen müssen bereit sein, das Risiko auf sich zu nehmen, zu scheitern. Denn keiner kann heute mit 100-prozentiger Sicherheit sagen, dass unsere Ideen von heute tatsächlich die funktionierenden Geschäftsmodelle von morgen hervorbringen. Das hängt von sehr vielen Faktoren ab, beispielsweise von zur Verfügung stehenden Flächen, technischer Skalierbarkeit oder einfachen wirtschaftlichen Erwägungen.

Deshalb brauchen wir Rückendeckung aus der Politik – sowohl für unsere Gesamtidee, diese Region zu transformieren, als auch für unsere Partnerinnen und Partner. Erratische Politik mit unklaren Zielen ist kontraproduktiv, ebenso ein dauerhaftes Denken in Projektlogiken.

Welche Veränderung wünschst du dir innerhalb der nächsten Jahre für das Rheinische Revier?
Onkels: Ich wünsche mir, dass mehr Menschen erkennen, dass wir im Angesicht des Klimawandels und fragiler internationaler Handelsstrukturen etwas ändern müssen. Wir müssen nachhaltiger wirtschaften. Das kann zum Beispiel in der Landwirtschaft bedeuten, neue Kulturen auszuprobieren, die mit Trockenheit besser klarkommen. Wir müssen fossile Rohstoffe so gut wie möglich ersetzen. Einige Unternehmen hier im Revier sind da wirklich schon sehr aktiv. Andere wissen gar nicht, dass sie schon auf Basis einer Bioökonomie arbeiten. Doch es gibt noch zu viele, die an altbekannten Denkmustern festhalten und Wandel scheuen. In der aktuellen Wirtschaftslage überrascht mich das nicht. Risiken einzugehen heißt, dass man Verlust machen kann – das können sich viele auch nicht mehr leisten.

Wir brauchen daher eine Politik, die Nachhaltigkeit fördert und ressourcenschonende Konzepte belohnt. Dazu benötigen wir einen behutsamen Bürokratieabbau, der nicht zu weniger Sicherheit für alle Beteiligten führt. Vor allem aber benötigen wir Finanzierungskonzepte, die kleinen KMUs mit guten Ideen helfen und grüne Ideen voranbringen. Auch in Zeiten, in denen es manchmal so scheint, als sei das Wort „grün“ verbrannte Erde.

Das Interview führte BioökonomieREVIER. 

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