24.03.2026
Die Bioökonomie als Jobmotor für Europa – eine Chance für das Rheinische Revier?
17 Millionen Arbeitsplätze, eine Wertschöpfung von 800 Milliarden Euro – die Bioökonomie ist ein Wirtschaftsfaktor in Europa. Rund 30 Prozent der in Europa hergestellten Produkte sind mittlerweile biobasiert. Dem trägt die neue EU-Bioökonomiestrategie Rechnung und davon kann das Rheinische Revier direkt profitieren.
Dr. Jan Philipp Kramer, Head of EU-Services Head of EU-Services bei der Prognos AG, erklärte in seinem Vortrag beim Regionalforum Bioökonomie, veranstaltet von BioökonomieREVIER gemeinsam mit der Zukunftsagentur Rheinisches Revier, dass unsere Region eine „Innovationsregion für die Bioökonomie“ sei.
Die Vielzahl an Kompetenzen werde durch die „Unternehmen, Start-ups, Forschungseinrichtungen, die es hier gibt“ deutlich gezeigt. Außerdem sei im Rheinischen Revier gut zu erkennen, dass sich die Bioökonomie auf der Fläche einer Region verteilt – nicht lediglich an ausgewählten Hot-Spots.
Die EU hilft bei der Transformation, indem sie mit der Bioökonomie-Strategie einen großen, übergeordneten, strategischen Rahmen bereitstellt, der den Regionen Orientierung und erste Werkzeuge bietet. Dabei geht es nicht darum, einen Leitfaden für alle bereitzustellen. Dafür sind die Regionen in Europa zu fragmentiert und selbst auf regionaler Ebene gibt es oft eine starke Diversifikation. Für eine Region wie das Rheinische Revier ist daher die Smart-Specialisation-Strategie ein wichtiges Werkzeug – insbesondere bei zwei Punkten:
Priorisierung
„Wir müssen kritische Massen generieren, das gelingt nicht, wenn wir uns zu breit aufstellen“, erläuterte Kramer. Besser ist es, sich auf einige Geschäftsfelder zu konzentrieren, die in der Region schon vorhanden sind.
Portfolio-Logik
Es muss Investitionspfade geben, die nicht in Einzelprojekten verharren, sondern darüber hinausgedacht werden. „Wir dürfen nicht in isolierten Fördertöpfen denken“, so Kramer weiter.
So überwindet die Region die „Valleys of Death"
Die interregionale Zusammenarbeit darf dabei nicht unterschätzt werden. Sie schafft Synergieeffekte – allein schon, weil man nicht dieselbe Sache zweimal erforscht oder ausprobiert. „Wir müssen diese Synergien nutzen, sonst wird es noch schwerer“, resümierte Kramer.
So sollten Biomasseströme über Grenzen hinweg genutzt werden. Denn während das Rheinische Revier möglicherweise genug Biomasse habe, gäbe es andere Regionen, die darauf angewiesen sind, da sie selbst nicht genügend erzeugen.
All diese Aspekte helfen, damit Unternehmen und Gründer die beiden kritischen Phasen zwischen Forschung und Markteinführung, das sogenannte „Valley of Death“, besser überwinden. Die erste große Hürde entsteht bei der Skalierung von der Forschung zu den Prototypen. Danach folgen Herausforderungen bei Markt, Regulierung, Rohstoffverfügbarkeit und Finanzierung. Erst wenn alle Hürden überwunden sind, kann sich der Markterfolg einstellen. Damit entsteht ein echter Mehrwert in Regionen wie dem Rheinischen Revier.
Text von Eva Johanna Onkels