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23.07.2026

Wird die Ackerbohne zum Gamechanger für das Rheinische Revier?

Collage einer Ackerbohne: Links ist eine blühende Ackerbohnenpflanze mit weiß-violetten Blüten und den charakteristischen schwarzen Flecken zu sehen. Rechts zeigt eine halbtransparente Überblendung mehrere helle, getrocknete Ackerbohnen. Das Bild verbindet die Pflanze auf dem Feld mit ihren geernteten Samen und veranschaulicht die Ackerbohne als regionale Proteinpflanze. © pixabay / pexels

Dicke Bohnen mit Speck – im Rheinland eine echte Leckerei, ansonsten wird die Ackerbohne, wie die Pflanze hauptsächlich genannt wird, fast nur als Tierfutter verwendet. Dabei könnte sie auch ein Ersatz für importiertes Soja sein!

Gemeinsam mit unserem strategischen Partner foodineum und Experten aus der Land- und Lebensmittelwirtschaft überlegen wir von BioökonomieREVIER deshalb, wie wir mit der Pflanze im Rheinischen Revier neue, regionale Wertschöpfungsketten schaffen können.

Die einjährige, krautige Pflanze wird heute größtenteils als Tierfutterlieferant eingesetzt – doch ihr hoher Proteingehalt von 25 bis 30 Prozent macht sie attraktiv als Inhaltsstoff vegetarischer und veganer Produkte, zum Beispiel Fleischalternativen.


Es gibt allerdings eine Hürde: Der Geschmack der Proteinpflanze ist optimierungswürdig. Deshalb möchte BioökonomieREVIER gemeinsam mit Forschenden und Unternehmen Mittel und Wege finden, die Pflanze beispielsweise durch Fermentierungsprozesse schmackhafter zu machen.

Für die regionale Landwirtschaft könnte die Pflanze ein echter Glücksgriff sein: Die Ackerbohne ist im Rheinischen Revier bereits auf Feldern zu finden und wird vermehrt angebaut. Sie ist bis –5°C frostunempfindlich und keimt bereits bei 2° bis 3° Bodentemperatur. Deshalb kann sie bereits im Februar ausgesät werden. Sie passt als sogenannte Hackfrucht gut in die Fruchtfolge und kann mit den gängigen Maschinen angebaut, gepflegt und geerntet werden. Die Pflanze ist, wie die meisten Leguminosen (Hülsenfrüchte), zudem ein Stickstoffbinder. Nach der Ernte bleiben bis zu 125 kg Stickstoff in der Erde – das verringert den Düngebedarf für die Fruchtfolge deutlich. Ein weiterer Vorteil: Kann in einem Erntejahr nicht die Gesamtmenge abgenommen werden, lässt sie sich als Tierfutter gut vermarkten. Das reduziert das wirtschaftliche Risiko.

Anbaufläche für Ackerbohne seit 2010 deutlich gewachsen

Die Ackerbohne wird seit dem ersten Jahrtausend nach Christus auch in Mittel- und Nordeuropa kultiviert. Bis in die frühe Neuzeit war die Pflanze als Nahrungsmittel in ganz Deutschland verbreitet, dann wurde sie von der aus Amerika stammenden Gartenbohne und der Feuerbohne verdrängt. Seit 2010 wird der Anbau in Deutschland wieder gefördert. Die Anbaufläche ist seitdem um das gut Vierfache gewachsen. Im Jahr 2022 wurde die Ackerbohne auf gut 71.000 Hektar angebaut und war damit die am zweithäufigsten angebaute Hülsenfrucht nach der Erbse.

Unser Ziel ist jetzt der Aufbau einer neuen regionalen Wertschöpfungskette für die Ackerbohne.
Wir sind gespannt, welche Potenziale diese heimische Kulturpflanze in den kommenden Jahren entfalten kann.

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