21.01.2026
Neue Perspektiven für Unternehmen: Transformationsmanagerin Franziska Hermanns begleitet den Wandel
Franziska Hermanns (31) ist Transformationsmanagerin für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bei BioökonomieREVIER. Sie arbeitet daran, Wissenschaft und Wirtschaft näher zusammenzubringen, um so neue Wertschöpfungsketten zu schaffen. Sie begleitet Projekte entlang der gesamten Wertschöpfungskette – etwa die Färberdistelwirtschaft – und entwickelt gemeinsam mit ihren Kolleg:innen aus dem Team neue Ansätze für Unternehmen.
Wie bist du zu Bioökonomie Revier gekommen?
Franziska Hermanns: Ich habe nach einer neuen Herausforderung gesucht, die Wissenschaft und Wirtschaft verbindet. Vor meiner Arbeit bei BioökonomieREVIER habe ich im Projektmanagement und in der Entwicklung in der Industrie gearbeitet – von der ersten Konzeptidee bis zur Umsetzung technischer Projekte. Gleichzeitig ist mir der wissenschaftliche Kontext durch mein Studium des Wirtschaftsingenieurwesens, Fachrichtung Maschinenbau vertraut. Während meines Studiums habe ich mich intensiv mit Nachhaltigkeitsbewertungen beschäftigt wie dem Life-Cycle-Assessment (LCA) sowie mit dem Recycling von Kunststoffen.
Genau diese Mischung aus Praxis, Technik und Analyse macht die Arbeit bei BioökonomieREVIER für mich besonders spannend. Ich darf komplexe Projekte koordinieren - zum Beispiel zur Färberdistelwirtschaft. In dem Projekt unterstütze ich die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Industrie und begleite zum Beispiel die Durchführung einer Ökobilanzstudie.
Gibt es etwas, das dich besonders gereizt hat?
Hermanns: Besonders gereizt hat mich zum einen, dass ich mich mit sehr unterschiedlichen Branchen und ihren spezifischen Herausforderungen auseinandersetzen darf. Zum anderen finde ich es spannend, zu überlegen, wie diese Branchen nachhaltiger gestaltet werden können. Ein gutes Beispiel ist der Bereich Kunststoff: Er wird oft als wenig nachhaltig wahrgenommen, bietet aber gleichzeitig viele Ansatzpunkte zur Verbesserung. Der Gedanke, Transformation in die Praxis zu bringen, begleitet mich seit meinem Studium und findet heute Anwendung in meiner Arbeit.
So treiben wir die Entwicklung der Färberdistelwirtschaft gemeinsam in einem interdisziplinär zusammengestellten Team aus Wissenschaftlern und Industriepartnern voran. Dabei wird an ganzheitlichen Verarbeitungswegen entlang der Wertschöpfung der Pflanze gearbeitet und wissenschaftliche Erkenntnisse praxisnah umgesetzt. Wir möchten anhand dieser Pflanze zeigen, dass es möglich ist, regionale Wertschöpfungsketten völlig neu aufzubauen – vom Rohstoff bis hin zur industriellen Produktentwicklung. Dabei erproben wir nicht nur die Anbaubedingungen auf nährstoffarmen Böden, sondern auch die wirtschaftliche Umsetzbarkeit des Projekts.
Was motiviert dich?
Hermanns: Mich motiviert besonders, dass meine Arbeit nicht nur Impulse für Unternehmen setzt, sondern auch spürbare Wirkung in der Region entfaltet. Viele Unternehmen stehen vor Herausforderungen, sei es bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitszielen oder der Erschließung neuer Geschäftsfelder. Es macht mir Freude, Perspektiven aufzuzeigen, gemeinsam Lösungen zu entwickeln und den Austausch zwischen unterschiedlichen Akteuren und Akteurinnen zu begleiten.
Gibt es schon etwas, das dich besonders begeistert hat?
Hermans: Mich faszinieren Menschen mit genialen Ideen, die den Mut haben, Neues auszuprobieren. Ein Beispiel aus der Region hat mich besonders beeindruckt: Ein Metzger hat den Betrieb seines Vaters übernommen und daraus ein neues alternatives Konzept entwickelt. Besonders spannend fand ich, wie er Chancen im Wandel erkannt und daraus ein Geschäftsmodell geschaffen hat. Sein Vorgehen war für mich ein echter Aha-Moment und hat mir viele Anregungen für meine eigene Arbeit gegeben.
„Vielfalt macht es möglich, unterschiedliche Sichtweisen zu kombinieren“
Wie definierst du deine Rolle und deine Aufgaben als Transformationsmanagerin KMU und was können unsere Partner von dir erwarten?
Hermanns: Ich verstehe meine Rolle nicht als beratend oder umsetzend, sondern als begleitend und strukturierend. Im Mittelpunkt steht für mich zunächst der Austausch mit den Akteurinnen und Akteuren: gemeinsam klären, wo sie aktuell stehen, an welchen Punkten sie nicht weiterkommen und was ihnen fehlt, um ihre Ideen weiterzuentwickeln.
Meine Aufgabe sehe ich darin, die richtigen Fragen zu stellen, Perspektiven sichtbar zu machen und den Mehrwert der Bioökonomie hervorzuheben – also aufzuzeigen, welchen Nutzen Unternehmen biobasierten Ansätzen ziehen können und welchen Wert es hat, sich mit diesen auseinanderzusetzen.
Dabei arbeite ich häufig entlang konkreter Fragestellungen: Ich schaue mir an, welche Forschungsergebnisse zu bestimmten Pflanzen oder biobasierten Rohstoffen bereits vorliegen und wo auf Industrieseite Bedarfe oder Fragestellungen geäußert werden. Mithilfe verschiedener Analyse- und Bewertungsansätze untersuche ich dann, wie sich daraus mögliche Wertschöpfungsketten denken lassen und welche Akteure dafür relevant sein könnten. Auf dieser Basis initiiere ich Projekte, in denen Wissenschaft und Industrie gemeinsam weiterarbeiten.
Eine zentrale Herausforderung ist dabei, die relevanten Akteure so miteinander zu verknüpfen, dass Raum für neue Ideen entsteht und sich daraus neue Wertschöpfungsketten entwickeln können.
Als Projektleitung der Färberdistelwirtschaft begleite ich genau diesen Prozess: Ich behalte die Bedarfe der Beteiligten im Blick, unterstütze die gemeinsame Lösungsfindung und trage dazu bei, dass sich das Projekt entlang seiner Ziele weiterentwickeln kann.
Wo liegen deine Schwerpunkte?
Hermanns: Zum einen übernehme ich das Projektmanagement von Industrie- und Transformationsprojekten und begleite die Umsetzung von Studien. Der kreative und konzeptionelle Teil meiner Arbeit gibt mir dabei besonders viel: neue Ideen für Produkte, Anwendungen oder Projekte zu entwickeln, diese gemeinsam mit Partnern weiterzudenken und in realistische, machbare Konzepte zu überführen.
Zum anderen liegt mein Schwerpunkt in der Nachhaltigkeitsbewertung, insbesondere in der fachlichen Begleitung, Einordnung und Steuerung von Life-Cycle-Assessments. Dabei verantworte ich die konzeptionelle Ausrichtung der LCAs und begleite ihre Umsetzung. Ziel ist es, aus den Ergebnissen konkrete Ansatzpunkte für Verbesserungen abzuleiten und diese Erkenntnisse projektseitig nutzbar zu machen.
So vereine ich Nachhaltigkeitsbewertung, Projektpraxis und Innovationslust und kann wissenschaftliche Analysen direkt in praxisnahe, zukunftsorientierte Projekte überführen.
Wer kann sich an dich wenden?
Hermanns: Ich richte mich an Unternehmen, die Anregungen suchen, um eigene Ideen weiterzuentwickeln, sowie an alle, die neugierig auf das Thema Bioökonomie sind.
Durch meine Arbeit an dem Projekt zur Färberdistelwirtschaft ergeben sich außerdem Anknüpfungspunkte für Unternehmen aus den Bereichen Chemie, biobasierte Öle, Kunststofftechnik und Maschinenbau, die sich über Perspektiven, Erfahrungen und Praxisbeispiele austauschen möchten.
Gemeinsam mit einem Partner entwickle ich außerdem einen Leitfaden für das Handwerk, der praxisnahe Orientierung und Impulse für Handwerkerinnen und Handwerker bieten wird.
Was sind die Fähigkeiten, die du in deinem Job am meisten brauchst?
Hermanns: Ich muss komplexe Themen verständlich erklären können. Das ist etwas, was man eigentlich immer braucht, nicht nur in diesem Job. Darüber hinaus gehören Kreativität, Struktur und Selbstorganisation zu meinen Kernkompetenzen. Wenn ich mit Projektpartnern arbeite, ist Fingerspitzengefühl gefragt, um unterschiedliche Interessen zu berücksichtigen. Dazu gehört auch ein Gespür für Menschen und die Fähigkeit, eine gemeinsame Vision zu entwickeln, die das große Ganze im Blick behält.
Was ist das Besondere am BiökonomieREVIER-Team?
Hermanns: Besonders spannend ist für mich, dass wir alle sehr unterschiedliche Backgrounds haben. Unsere Ausbildungen und Herangehensweisen sind vielfältig. Die Expertisen und Erfahrungen in den verschiedenen Feldern unterscheiden sich, doch jeder bringt individuelle Kompetenzen und Perspektiven ein. Genau diese Vielfalt macht es möglich, unterschiedliche Sichtweisen zu kombinieren und daraus neue Ansätze zu entwickeln.
Unser Team ist tief im Thema verankert, vernetzt und verfügt über vielfältige interne Ressourcen.
Was macht dir in deinem Job am meisten Spaß?
Hermanns: Ich lerne gerne unterschiedliche Menschen kennen. Schon allein am Institut gibt es viele interessante Leute mit unterschiedlichstem Background. Gleichzeitig habe ich einige spannende Unternehmen und Initiativen aus der Region mit nachhaltigen Ideen kennenlernen können. Besondere Freude macht es mir, mich in komplexe technische Themen einzuarbeiten und an Problemstellungen zu knobeln. Wenn ich dabei kreativ sein kann und Ideen weiterentwickle, die für Projekte oder Prozesse relevant sind, habe ich den größten Spaß.
Was ist deine große Hoffnung für die Bioökonomie im Rheinischen Revier?
Hermanns: Mir persönlich geht es vor allem um die Generationen nach uns. Ich werde es wahrscheinlich nicht erleben, dass aus den Baggerlöcher Seen entstanden sind und ich dort mit dem Boot fahren kann, aber ich hoffe, dass die nächste Generation eine grüne, lebenswerte Umgebung vorfindet. Meine Hoffnung ist daher, dass wir aus den Braunkohletagebauflächen etwas wirklich Positives machen können, von dem viele profitieren – sei es für die Region, die Menschen oder die Umwelt. Das Ziel von BioökonomieREVIER ist es, den Weg zu gestalten und diesen gemeinsam mit der Region zu gehen.
Was wünschst du dir konkret für die Bioökonomie hier im Rheinischen Revier?
Hermanns: Es wäre wichtig, dass der Begriff Bioökonomie bekannter wird. Nur so können wir eine starke, ressourcenschonende und nachhaltige Wirtschaft erreichen, von der viele profitieren. Das ist eine große Herausforderung.
Wir von BioökonomieREVIER können dazu beitragen, indem wir den Austausch und die Vernetzung zwischen den Akteuren fördern und die Diskussion über zukunftsfähige Ansätze unterstützen. Dazu gehört eine klare Strategie, der Begriff Bioökonomie in den Köpfen zu verankern und Vertrauen aufzubauen. Ich sehe darin einen sozialen Aspekt, der oft vernachlässigt wird: Wandel ist ungewohnt, und wo Veränderung ansteht, entstehen Ängste. Es ist wichtig, diese Ängste durch Perspektiven, Informationen und Austausch aufzulösen.
Das Interview führte Eva Johanna Onkels.