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06.02.2026

Aufbruch an der Abbaukante – wie die Bioökonomie Bürgewald mitgestaltet

Auf einem Tisch steht ein Architekturmodell aus hellem Karton, das den ehemaligen Reiterhof Neesenhof zeigt, insbesondere die frühere Reithalle. Rechteckige Gebäudeteile sind in Reihen angeordnet, dazwischen liegen schmale Wege und offene Flächen. Farbige Einlagen in Blau-, Grün- und Rosatönen kennzeichnen unterschiedliche Nutzungsbereiche. Im Vordergrund ist ein runder Modellteil zu sehen, im unscharfen Hintergrund stehen mehrere Personen in einer Workshopsituation. © Forschungszentrum Jülich / BioökonomieREVIER / Eva Johanna Onkels

Wenn Autofahrer von der L257 kommend das Ortsschild Bürgewald passieren, erblicken sie verbretterte Fenster, verlassene Häuser, eine teils abgebrannte Kirche. Wenige Menschen würden vermuten, dass hier gerade etwas Großes passiert. Denn Bürgewald, das Dorf, das abgebaggert werden sollte und doch bleiben darf, wird aktiv wiederbelebt – und das auch mithilfe der Bioökonomie.

Einen ersten Schritt haben wir von BioökonomieREVIER bereits getan, indem wir vor wenigen Monaten in der ehemaligen Reitanlage Neesenhof Büroräume bezogen haben. Doch wie geht es weiter? Welche Potenziale für die Bioökonomie hat der Ort zu bieten? Darüber diskutierten Vertreter aus den Kommunen, der Wirtschaft, der Stadtplanung und der Wissenschaft gemeinsam in einem Workshop, geleitet vom stadtland IMPULS – Büro für Stadtplanung und strategische Projektentwicklung unter Leitung von Dr. Wolfgang Wackerl.

Wie kann der Neesenhof zu einem Zentrum der Bioökonomie werden? In welcher Form können die Bestandsgebäude der Reitanlage genutzt werden, um zu zeigen, wie mit der Bioökonomie neue Geschäftsmodelle unterstützt und vorangetrieben werden können? Unter welchen Voraussetzungen lassen sich Start-ups und Handwerksbetriebe in dem Dorf nieder? An welchen Orten lassen sich bioökonomische Wertschöpfungsketten implementieren, zum Beispiel über ein Algen-Klärwerk oder die Veredelung landwirtschaftlicher Reststoffe? Wie kann die Forschung im Agri-Food-Energy-Park mit dem Dorf verbunden werden und wie lässt sich der nahegelegene Flugplatz mit einbeziehen?

Bioökonomie in Bürgewald: strategisch denken, flexibel handeln

Der rege Austausch zwischen den Teilnehmern zeigte, dass der Neesenhof, Bürgewald und das umgebende Gebiet viele Möglichkeiten bieten, es allerdings auch Hürden gibt. Landwirtschaft, Industrie, Gemeindeverwaltung und Politik müssen an einem Strang ziehen, um eine derartige Aufgabe wie die Wiederbelebung eines Ortes bewältigen zu können. Es muss strategisch gedacht werden, aber mit einer flexiblen Grundhaltung.

Die Ideen bleiben dabei nicht nur in den Köpfen: Erste Start-ups mit biobasierten Geschäftsmodellen haben bereits Büroräume und Experimentierflächen angefragt, die Idee eines „Rheinischen Ackers“ als Demonstrationsfläche für moderne Landwirtschaft auf dem Gelände des Neesenhofs nimmt Gestalt an, die Gemeinde Merzenich plant, die Kirche des Ortes wieder aufzubauen und zu einer Begegnungsstätte werden zu lassen. Der Workshop selbst ist zudem Teil der sogenannten Profilortkonzept-Entwicklung. Die Ergebnisse daraus werden bald veröffentlicht.

Eines ist klar: In Bürgewald ist schon heute viel mehr Leben drin, als der erste Blick vermuten lässt.

Text von: Eva Johanna Onkels

 

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