27.11.2025
Vom Wissen zur Wirkung: BiöokonomieREVIER stärkt das Rheinische Revier
Wie kann die Wirtschaft des Rheinischen Reviers mit Hilfe der Bioökonomie zukunfts- und krisensicher aufgestellt werden? Dieser Herausforderung stellt sich BioökonomieREVIER. Seit 2018 leitet Dr. Christian Klar die Koordinierungsstelle. Im Interview gibt er einen Einblick in unsere Arbeit, unsere Ziele und Visionen.
Was ist die Aufgabe von BioökonomieREVIER?
Dr. Christian Klar (50): BioökonomieREVIER nutzt Wissen, regionale Ressourcen und bestehende Stärken, um mithilfe des Leitbilds Bioökonomie das Wirtschaftssystem im Rheinischen Revier weiterzuentwickeln. Es sollen neue Arbeitsplätze und wettbewerbsfähige Geschäftsmodelle entstehen. Diese sollen Unabhängigkeit, Resilienz und Nachhaltigkeit von Unternehmen und Betrieben stärken. Für diese Aufgabe brauchen wir Akteure aus verschiedenen Sektoren, der Landwirtschaft, Industrie, Kommunen und der Wissenschaft. Ihre Kompetenzen bringen wir von BioökonomieREVIER partnerschaftlich zusammen. Wir bündeln die Akteure unter einem Dach und sorgen so für die nötigen Synergieeffekte. Nur so können wir das ganze Potenzial des Rheinischen Reviers nutzen.
Wir von BioökonomieREVIER stellen nicht eine Branche in den Mittelpunkt, sondern betrachten das gesamte, auf fossilen Rohstoffen basierende Wirtschaftssystem. Das dort prägende lineare Denken wollen wir aufbrechen. Es geht uns nicht nur um das Ersetzen fossiler Rohstoffe durch biogene Rohstoffe. Wir fördern eine Kooperationskultur, die neue Verbindungen zwischen den Sektoren und mit der Wissenschaft hervorbringt. Denn in der Forschung gibt es zwar viele Technologien und Ideen, sie werden aber noch nicht ausreichend für die regionale Transformation umgesetzt. Wir möchten die modernen Technologien nutzen, beispielsweise Biotechnologien oder mikrobielle Verfahren, um so auch Rest- und Abfallstoffe zu verarbeiten. Ein wichtiger Partner ist dabei die Landwirtschaft, die durch die Lebensmittelproduktion ohnehin ein zentraler Akteur der Bioökonomie ist. Als Lieferant nichtfossiler Rohstoffe kann sie aber auch entscheidend zum Wandel beitragen.
Wie unterstützt BioökonomieREVIER interessierte Akteure aus der Landwirtschaft, Industrie, Forschung und Kommunen im Revier?
Klar: Wir schaffen Plattformen zur Vernetzung und für den Dialog, immer mit dem Ziel, Wirkung im Rheinischen Revier zu erzielen. Über das Thema Bioökonomie versuchen wir, diesen Dialog zu gestalten. Dabei vernetzen wir die Branchen untereinander. Wir möchten, dass die Landwirte nicht nur mit den Landwirten, die Industrievertreter nicht nur mit den Industrievertretern sprechen.
Wir wollen die gemeinsamen Anknüpfungspunkte herausarbeiten und zeigen, dass mit der Nutzung biologischer Systeme neue Geschäftsmodelle entstehen, insbesondere mit der Verknüpfung zu KI und erneuerbaren Energiesystemen. Mit diesen lassen sich Einkommensmöglichkeiten diversifizieren, alternative Geldquellen erschließen und sogar aus Reststoffen wie Klärschlamm neue Wertschöpfungsketten etablieren. Wir haben vier Anwendungsfelder im Auge: Lebens- und Futtermittel, biobasierte Produkte und Materialien sowie biobasiertes Re- und Upcycling von Rest- und Nebenströmen.
Was will BioökonomieREVIER in den kommenden Jahren erreichen?
Klar: Wir wollen Best-Practice-Cases entwickeln und echte, biobasierte Geschäftsmodelle auf die Beine stellen, die zeigen, dass unser Ansatz funktioniert. Hierbei spielen Technologie-Demonstratoren und gut durchdachte Strukturen für die Umsetzung auf industrieller Ebene, eine wichtige Rolle. An ihnen kann man sich anschauen, wie bioökonomische Konzepte ganz praktisch im Kleinen und im Industriemaßstab funktionieren. Wir wollen Orte schaffen, die besucht werden können – zum Beispiel in Bürgewald. Wir möchten ein Innovationssystem entwickeln, das durchlässig ist und Ideen aus der Forschung und von anderen Akteuren praktisch umsetzt.
Unsere Region hat so viele Möglichkeiten und es ist vielmehr die Herausforderung, all die Kompetenzen und Technologien so zu verknüpfen, dass wir ihr volles Potenzial ausschöpfen.
Das Interview führte Eva Johanna Onkels.