02.12.2025
Für die Bioökonomie denkt Transformationsmanager Thomas Fischöder „out of the box“
Dr. Thomas Fischöder (40) ist unser Transformationsmanager für die Wirtschaft. Als promovierter Biotechnologe und erfahrener Projektmanager und Patentingenieur verbindet er wissenschaftliches Know-How mit der Praxis. Gemeinsam mit den Kollegen aus den Bereichen Landwirtschaft, Faserwirtschaft und KMU begleitet er neue Geschäftsmodelle bis zur Umsetzung.
Wie bist du auf BioökonomieREVIER aufmerksam geworden – und was hat dich ins Team geholt?
Dr. Thomas Fischöder: Ich komme aus der Region, habe Biotechnologie studiert und ein Praxissemester am Institut für Pflanzenwissenschaften gemacht. Mein Bezug zum Forschungszentrum besteht also schon lange, und die Aktivitäten von BioökonomieREVIER habe ich regelmäßig mit großem Interesse verfolgt. Als sich dann die Möglichkeit bot, hier einzusteigen und aktiv mitzugestalten, ist die Entscheidung schnell gefallen. Beim Aufräumen habe ich kürzlich sogar einen alten Anstecker von uns gefunden – die Farbe war schon verblasst.
Was begeistert dich an der Arbeit für BioökonomieREVIER?
Fischöder: Die Ansätze, die wir liefern können, sind ein wichtiges Puzzleteil für die Vision einer nachhaltigen und ökonomisch stabilen Zukunft – einer Vision, die hier im Revier viele Menschen teilen. Die Bioökonomie ist dabei zwar nicht die ultimative Lösung für alle kommenden Herausforderungen, aber ein zentraler Bestandteil. Daher empfinde ich meine Arbeit als überaus sinnstiftend.
Ich bin hier aufgewachsen, lebe hier und habe hier Familie. Ich weiß, dass man in dieser Region sehr gut leben kann, und ich möchte für die jetzigen und kommenden Generationen, dass dies so bleibt. Dazu gehören eine stabile Wirtschaft und eine gesunde Natur.
Als Transformationsmanager kannst du zu dieser stabilen Wirtschaft beitragen – wie genau definierst du deine Rolle bei BioökonomieREVIER?
Fischöder: Als Transformationsmanager für die regionale Wirtschaft müssen wir neue Ansätze voranbringen, die nicht ideell getrieben sind, sondern eine logische Konsequenz aus verschiedenen Expertisen und ökonomischen Prinzipien. Wir vernetzen unsere Partner, beispielsweise aus der Chemie-Industrie, mit Landwirten aus der Region und begleiten sie auf dem Weg zu gemeinsamen, neuen Geschäftsmodellen. Dabei müssen wir „Out of the box“ denken, aber gleichzeitig strukturiert vorgehen — mit fachlich-technischem wie wirtschaftsbezogenem Verständnis. Dann können wir mit unseren Partnern auf Augenhöhe diskutieren und gemeinsam Hürden aus dem Weg räumen. So werden Ideen zu konkreten Projekten mit Struktur und definierten Zielsetzungen. Ich sehe mich daher als Ideengeber und Möglichmacher.
Das sind komplexe Aufgaben. Welche Eigenschaften brauchst du, um sie angehen zu können?Fischöder: Für mich ist das richtige Mindset entscheidend – so bleibt man Unternehmen, Menschen, Konzepten und Ansätzen gegenüber offen. Potenzial erkennt man zuallererst durch Neugier, Aufmerksamkeit und Aufgeschlossenheit.
Wo liegen innerhalb des Teams deine Schwerpunkte?
Fischöder: Mein besonderer Fokus liegt auf der Konversion von Biomasse sowie Rest- und Nebenströmen. Als Biotechnologe freue ich mich natürlich umso mehr, wenn ich dazu beitragen kann, dass Werkzeuge, die uns die Biologie bereitstellt, in Unternehmen des Rheinischen Reviers gewinnbringend eingesetzt werden.
„Im Rheinischen Revier haben wir alles, was wir brauchen“
Unsere Transformationsmanager sind sehr divers. Manche sind Ansprechpartner für die Landwirtschaft oder die Region. Wer kann sich an dich wenden?
Fischöder: Ich wünsche mir, dass Menschen und Unternehmen mit Ideen oder Herausforderungen rund um die Etablierung neuer, biologischer Wertschöpfungsketten zu mir kommen. Gemeinsam prüfen wir Umsetzungsmöglichkeiten oder finden Lösungen — mit dem Ziel einer Win-Win-Win-Situation für Wirtschaft, Revier und Umwelt. Entscheidend ist, dass Projekte ökologisch sinnvoll und ökonomisch tragfähig sind. Mit Blick auf die regionale Ebene schaffen wir so einen langfristigen Mehrwert für das Rheinische Revier.
Was können unsere Partner von dir erwarten, wenn ihr zusammenarbeitet?
Mein Hintergrund als promovierter Biotechnologe und meine Erfahrungen als Projekt- und Patentingenieur helfen mir, Dinge aus verschiedenen Blickwinkeln zu sehen und Projekte strukturiert voranzutreiben. Ich setze meine Erfahrung ein, damit wir zusammen echte Fortschritte erzielen. Für mich ist wichtig, dranzubleiben, den Bedarf der Partner im Blick zu behalten, realistische Ziele zu setzen und die Umsetzung strukturiert anzugehen. Dabei sehe ich mich als Ideengeber, Kümmerer und Möglichmacher – das ist mein persönliches Leistungsversprechen.
Was ist das Besondere am Team von BioökonomieREVIER?
Fischöder: Das BioökonomieREVIER-Team zeichnet sich durch eine gelungene Mischung unterschiedlicher Disziplinen und Persönlichkeiten aus. Fachlich wie menschlich ergänzt sich das hervorragend, sodass wir viele Kompetenzen in einem starken Team bündeln. Wenn unterschiedliche Ansätze zusammenkommen und das Beste daraus kombiniert wird, profitieren alle – eins plus eins kann mehr als zwei sein.
Was macht dir an deinem Job am meisten Spaß?
Fischöder: Wir haben unendliche Möglichkeiten – das kommt mir entgegen. Ich liebe es, Dinge zu gestalten und in der Anfangsphase neue Netzwerke aufzubauen, herauszufinden, wo es Partner gibt und wo neue Ideen herkommen. Diese Impulse dann praxisnah zu reflektieren und ihre Umsetzung voranzutreiben – genau diese Verbindung zwischen Wissenschaft und Wirtschaft macht BioökonomieREVIER für mich so besonders.
Die unendlichen Möglichkeiten sind eine Chance und eine Herausforderung. Wie kann BioökonmieREVIER es schaffen, die Transformation tatsächlich voranzutreiben?
Fischöder: Ich bin überzeugt, dass wir an konkreten Beispielen zeigen können, dass die Bioökonomie als Wirtschaftskonzept im Rheinischen Revier funktioniert – und dass sich dieses auch auf andere Fallbeispiele übertragen lässt. Viele Ansätze denken bereits zirkulär und setzen auf Kaskadennutzung – die Mehrfachnutzung eines Rohstoffs, sodass das Maximum aus den wertvollen, regionalen Ressourcen herausgeholt wird. Wenn sich neben den bewährten, traditionellen bioökonomischen Wertschöpfungsketten auch neue Konzepte in der Praxis wirtschaftlich beweisen, wird sich – so hoffe ich – im Einklang mit unseren Aktivitäten eine selbsttragende Eigendynamik entwickeln, welche die regionale Transformation spürbar vorantreibt.
Welche Veränderungen wünschst du dir für die nächsten fünf Jahre, und was braucht es dafür?
Im Rheinischen Revier haben wir alles, was wir brauchen: Menschen, Infrastruktur, fruchtbare Böden und gute Ideen – die Liste ist lang. Was wir hier alle aufbringen müssen, ist ein bisschen Mut, um voranzuschreiten.
Dabei sollten nicht nur diejenigen aktiv werden, bei denen der Schuh drückt, sondern insbesondere auch die Erfolgreichen sollten motiviert bleiben, innovativ zu denken — hier unterstützen wir, wo wir können. Ich wünsche mir, dass meine Heimat so lebenswert bleibt, wie sie ist, gute Jobs bietet und im Einklang mit ihren Ressourcen wirtschaftet – das sehe ich nicht als grundlegende Veränderung, sondern als gesunde und zukunftsgewandte Weiterentwicklung.
Das Interview führte Eva Johanna Onkels.