zurück zur Übersicht
09.01.2026

Vom BioSC zu BioökonomieREVIER – aus Forschung wird regionale Transformation

© pixabay / Sascha Kreklau

Die Geschichte der Bioökonomie im Rheinischen Revier beginnt nicht mit dem Kohleausstieg. Sie beginnt im Labor, im Hörsaal und in der interdisziplinären Zusammenarbeit führender Forschungseinrichtungen in Nordrhein-Westfalen.

Als das Land NRW im Jahr 2010 das Bioeconomy Science Center (BioSC) auf den Weg bringt, ist die Bioökonomie vor allem eines: ein wissenschaftliches Zukunftsfeld. Die RWTH Aachen, die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und das Forschungszentrum Jülich bündeln ihre Expertise im BioSC, um biobasierte Wertschöpfungsketten und Wirtschaftsweisen genauer zu erforschen.

Dabei untersuchen die Forschenden mit einem systemischen Ansatz sowohl die notwendigen Rahmenbedingungen als auch die Auswirkungen auf Gesellschaft und Wirtschaft. Von Beginn an geht es dabei nicht nur um neue Technologien, sondern um das Zusammenspiel von Natur- und Ingenieurswissenschaften sowie den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Die Forschungsprojekte sind wissenschaftlich exzellent – doch es benötigte mehr Raum, um diese Ideen in der Praxis zu testen und umzusetzen. Mehr zum Bioeconomy Science Center: HIER. 

Mit dem beschlossenen Kohleausstieg und den neuen Möglichkeiten der Strukturwandelförderung rückten ab 2018 neue Fragen in den Mittelpunkt: Wie lassen sich diese wissenschaftlichen Ansätze gezielt in die wirtschaftliche und gesellschaftliche Praxis des Rheinischen Reviers übertragen? Wie können diese Einzelaktivitäten in der Forschung für die Entwicklung einer zusammenhängenden Strategie für die Region gebündelt werden? Die Antwort darauf ist: BioökonomieREVIER.

Die Strukturwandelinitiative wird schnell eigenständig, mit eigenem Personal und eigenen Kompetenzen. Dennoch lässt sich die Verbindung zum BioSC bis heute gut erkennen: Die Innovationscluster BioökonomieREVIER, aber auch viele andere Strukturwandelprojekte haben vielfach ihren Ursprung in Projekten von Bioeconomy Science Center.

 

 

©Forschungszentrum Jülich / BioökonomieREVIER / Anke Krüger

Konkrete Umsetzung im Tagebau

Für das BioSC stehen die Forschenden im Zentrum. BioökonomieREVIER nimmt die Praxis in der Region in den Blick. Industrie, Landwirtschaft, Kommunalverwaltung, Start-ups und Forschung treten in Events und Veranstaltungen in den Dialog. So hilft BioökonomieREVIER dabei, neue biobasierte Geschäftsmodelle aufzubauen.

Aus Forschungsansätzen werden Demonstrationsprojekte, aus Konzepten reale Anwendungen, aus Ideen neue Geschäftsmodelle. In der Koordinierungsstelle arbeiten erfahrene Ingenieure, Agrarwissenschaftler, Biotechnologen, Verfahrenstechniker, Regional- und Kommunikationsexperten eng zusammen und leisten so einen bis heute wesentlichen Beitrag zum Wirtschafts- und Strukturprogramm des Rheinischen Reviers.

Ganz konkret wird es im Wellenschlagsbereich des Tagebaus Hambach. Dort, wo in einigen Jahrzehnten Wellen an die Ufer der großen Seen laufen, werden heute Färberdisteln angepflanzt. Diese können zum Grundstoff für viele hier im Rheinischen Revier hergestellte Produkte werden. Die Öle und Fasern können zum Beispiel in der Chemieindustrie genutzt werden.

Hier arbeiten Forschende, Industrie und Landwirte bereits eng zusammen – genau das möchte BioökonomieREVIER umsetzen. Auch auf europäischer Ebene ist BioökonomieREVIER vertreten. Die Koordinierungsstelle erstellt im Auftrag der Europäischen Kommission im Projekt BIO2REG gemeinsam mit Partnern unter anderem praxisnahe Leitfäden für regionale Transformationsprozesse. In dem europaweiten Netzwerk beraten sich europäische Regionen über die Regionalisierung von Bioökonomie und betreiben ein überregionales Austauschprogramm.

Text von Eva Johanna Onkels

linkedin
Newsletter
Ansprechpartner