02.09.2026
Neue Wirtschaftsweise fürs Revier: Sabine Dietrich bringt Innovationen voran
Dr. Sabine Dietrich ist Transformationsmanagerin Wissenschaft bei BioökonomieREVIER. Die promovierte Biotechnologin bringt Wissenschaft und Wirtschaft zusammen und unterstützt Forschende dabei, ihre Ideen in die Praxis zu bringen. So trägt sie dazu bei, Innovation im Rheinischen Revier voranzubringen.
Wie bist du zu BioökonomieREVIER gekommen?
Dr. Sabine Dietrich: Das war ein längerer Weg. Ich habe zuerst meinen Bachelor in Bio- und Prozesstechnologie an der Hochschule Furtwangen gemacht. Danach folgte mein Master in Molekularer und Angewandter Biotechnologie an der RWTH Aachen. Schließlich habe ich am Institut für Biologie I (Botanik) promoviert. Dort habe ich mit einem Kollegen zusammengearbeitet, der später als Gruppenleiter an das Forschungszentrum Jülich gewechselt hat. Er hat mir eine Stelle in seiner neuen Arbeitsgruppe als Postdoc angeboten. In dieser Arbeitsgruppe habe ich mehrere Jahre gearbeitet. Als mein Vertrag 2021 auslief, suchte BioökonomieREVIER gerade neue Mitarbeitende. Das Projekt kannte ich bereits ein wenig, weil wir zum selben Institut gehörten. Dann hat mich der Leiter, Dr. Christian Klar, angesprochen und gefragt, wie es für mich weitergeht und ob ich mir eine Stelle bei BioökonomieREVIER vorstellen könnte. Wir haben uns daraufhin unterhalten – und so bin ich schließlich in seine Gruppe gewechselt.
Was treibt dich persönlich an?
Dietrich: Dass wir einen Einfluss haben und wir hier etwas mitgestalten. Wir arbeiten nicht nur stumpf vor uns hin. Ich habe das Gefühl, dass wir hier etwas Sinnvolles machen. Wir leisten etwas für die Region und bringen sie damit voran. Mich motiviert es, später zurückblicken zu können und zu sagen: „Im Rheinischen Revier ist wirklich etwas passiert.“ Ich bin heute schon stolz, ein Teil davon gewesen zu sein.
Du bist jetzt seit über fünf Jahren bei BioökonomieREVIER. Was war deine erste Aufgabe?
Dietrich: Wir waren damals noch nicht so viele Mitarbeitende und ich habe daher unter anderem die Aufgabe bekommen, das Innovationscluster zu koordinieren. Das beinhaltete viel allgemeines Projektmanagement. Zudem habe ich Veranstaltungen organisiert und unsere ersten Transformationsprojekte zwischen Wissenschaft und Wirtschaft betreut.
Du bist unsere Transformationsmanagerin Wissenschaft im Team. Wie definierst du diese Rolle?
Dietrich: Als Transformationsmanagerin bringe ich Wissenschaftler mit Akteuren aus der Wirtschaft zusammen, um so Innovationen nach vorne zu bringen. Blickt man auf den Technologiereifegrad, sind viele der Innovationen schon sehr weit fortgeschritten. Aber oft fehlt es an der Zugänglichkeit zu den Unternehmen. Als Wissenschaftler lernt man vieles – aber eben nicht alles. Ich habe selbst erlebt, dass Themen wie Unternehmensgründung, der Aufbau eines Start-ups oder die Entwicklung eines tragfähigen Businessplans im Forschungsalltag kaum eine Rolle spielen. Dahin die Brücke zu schlagen, sehe ich als meine Aufgabe.
Deine Arbeit hat sich in den fünf Jahren stark verändert. Du kümmerst dich heute auch um Fördergelder und Anträge, bist für die Kollegen in der Hinsicht Ansprechpartner und arbeitest an den Exponaten mit.
Dietrich: Ja, mein Fokus hat sich in den vergangenen Jahren etwas verändert. Ich würde sagen, dass ich heute Christian (Leiter der Koordinierungsstelle, Anm. d. Red.) den Rücken freihalte. Wir sind auf Fördergelder angewiesen. Ohne sie geht es nicht und da steckt einfach ein massiver Verwaltungsakt hinter. Ich sorge mit meiner Arbeit dafür, dass wir handlungsfähig bleiben und alle Vorgänge korrekt ablaufen. Zusätzlich bringe ich meine Erfahrung und fachliche Expertise zum Beispiel bei der Erstellung von Exponaten ein. Und zukünftig werde ich in unserem Innovationscluster den Part des Innovationsmanagements übernehmen.
Zwischen Fördergebern, Färberdistel und Firmenkontakten
Welche Fähigkeiten oder Eigenschaften brauchst du dafür am meisten?
Dietrich: Wichtig sind vor allem Vermittlungsfähigkeit und Frustrationstoleranz. Wer sich jemals auf den verschlungenen Pfaden der Bürokratie befunden hat, kann sich vorstellen, was das manchmal bedeutet. Da geht es oft darum, viele verschiedene Menschen mitzunehmen, alle bei Laune zu halten und dafür zu sorgen, dass sie im Gespräch bleiben.
Was macht dir in deinem Job am meisten Spaß?
Dietrich: Zu Beginn habe ich die Färberdistelwirtschaft betreut. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht. Wir sind von einem echten Nullpunkt aus gestartet. Es gab eine Idee, Akteure und schließlich einen Kooperationsvertrag. Aus dieser Idee ist dann ein eigenes Projekt entstanden. Als die Färberdisteln zum ersten Mal auf dem Feld gewachsen sind, habe ich gut 3.000 Fotos gemacht. In dem Zusammenhang war es auch schön zu sehen, dass die Motivation in der Region wirklich hoch ist. Da stellt sich ein KMU hin und sagt: „Ich möchte das machen. Ich bin bereit dazu, Zeit und Know-how in das Projekt zu investieren.“
Ich habe aber auch immer gerne das Cluster betreut. Ich komme selbst aus der Wissenschaft und schätze den Austausch mit den Forschenden. Durch meinen biotechnologischen Hintergrund kann ich ihre Arbeit gut nachvollziehen und verstehe, vor welchen Herausforderungen sie stehen. Daher
bin ich in der Lage zu erkennen, an welchen Stellen Unterstützung sinnvoll wäre.
Sogar die Verwaltungsarbeit hat ihren Reiz. Wenn man mit den Fördergebern kommuniziert, Projektideen vorstellt und schließlich grünes Licht dafür bekommt, das Projekt wie geplant umzusetzen, ist das schon sehr befriedigend.
Was würdest du sagen, ist das Besondere am Team von BioökonomieREVIER?
Dietrich: Wir sind sehr breit aufgestellt. Bei uns arbeiten Naturwissenschaftler, Eventmanager, Kommunikationsfachleute und Menschen mit landwirtschaftlichem Hintergrund. Dadurch bringen wir ganz unterschiedliche Kompetenzen mit und haben für ganz unterschiedliche Fragestellungen die passenden Leute im Team, um in der Region viel bewegen zu können.
Bioökonomie im Blick: Transformationsmanager Thomas Fischöder im Interview
„Ich bin überzeugt, dass wir neue Wertschöpfungsketten begleiten und aufbauen werden“
Was ist deine große Hoffnung und deine Vision für die Bioökonomie im Rheinischen Revier?
Dietrich: Ich glaube, dass wir sehr viel Erneuerung und Innovation sehen werden. Ich bin überzeugt, dass wir neue Wertschöpfungsketten begleiten und aufbauen werden. Daraus kann sich das Rheinische Revier zu einer Modellregion für Bioökonomie entwickeln. Es muss etwas passieren, die fossilen Brennstoffe werden zur Neige gehen und auch unser Klima verändert sich laufend. Es muss eine neue Wirtschaftsweise her. Ich glaube, das Rad dreht sich langsam, aber es dreht sich.
Was muss erfüllt sein, damit es sich schneller dreht?
Dietrich: Ich glaube, der Veränderungsdruck muss groß genug sein. Wenn es am Ende persönlich am Geldbeutel spürbar wird oder andere Nachteile entstehen, reicht es irgendwann nicht mehr, an dem festzuhalten, was man kennt. Dann entsteht die Bereitschaft zur Veränderung. Eine Alternative ist der Austausch mit anderen Unternehmen, die bereits vorangehen oder sich ebenfalls auf den Weg machen wollen. Durch beides entsteht bei den Unternehmen die intrinsische Motivation, etwas zu ändern.
Natürlich gibt es auch KMUs, die den Nachhaltigkeitsgedanken schon lange leben und aus eigener Überzeugung etwas ändern möchten. Die haben auch schon viel angepasst und wirtschaften schon anders als vor 20 Jahren. Trotzdem bin ich überzeugt, dass der Großteil einen gewissen Veränderungsdruck braucht. Den aufzubauen, ist auch eine Aufgabe der Politik.
Entlastungen und Förderungen können dabei ein wichtiger Ansatz sein. Und ich bin fest davon überzeugt: In dem Moment, in dem bioökonomisches Wirtschaften auch wirtschaftlich attraktiv wird, sind deutlich mehr Unternehmen mit an Bord.
Welche Veränderung wünschst du dir denn innerhalb der nächsten fünf Jahre?
Dietrich: Ich hoffe, dass die Menschen zunehmend offener werden und der Begriff der Bioökonomie ganz selbstverständlich in unseren Sprachgebrauch integriert wird. Denn letztlich brauchen wir eine breite Akzeptanz für diese Art des Wirtschaftens. Bioökonomie darf kein Nischenthema bleiben, sondern sollte als Teil einer zukunftsfähigen Wirtschaft selbstverständlich werden.
Das Interview führte Eva Johanna Onkels