Gemeinsam mit Bioökonomie im Strukturwandel

Berichte und Dialog

Bürgerversammlung zur Bioökonomie startet erfolgreich

© BioökonomieREVIER/Kirsten Reinhold

15. und 16.04.2021

Gute landwirt- und forstwirtschaftliche Flächen sind knapp – auch im Rheinischen Revier. Mit dem Strukturwandel in der Region steigt die Nachfrage nach Flächen für Gewerbe und Industrie, Wohnen sowie Infrastrukturen stetig an. Wie soll zukünftig mit dem knappen und schützenswerten Gut umgegangen werden? Wie gehen wir mit den Ansprüchen und Zielkonflikten zwischen den verschiedenen Nutzungen um?

Diese und andere Fragen diskutierten knapp 50 zufällig ausgewählte Bürgerinnen und Bürger aus dem Revier am 16. und 17. April 2021 auf der Auftaktveranstaltung der Bürgerversammlung BioökonomieREVIER. Die Bürgerversammlung nach dem Vorbild angloamerikanischer Citizens' Assemblies entwickelte die Projektgruppe BioökonomieREVIER des Centrums für Umweltmanagement, Ressourcen und Energie (CURE) der Ruhr-Universität Bochum. Die Bürgerversammlung besteht aus der eineinhalbtägigen Auftaktversammlung sowie einer Abschlussveranstaltung im Herbst 2021. In der Zwischenzeit erarbeiten Arbeitsgruppen Empfehlungen, die schließlich gemeinsam beraten und verabschiedet werden.

 

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Dialog im BioökonomieREVIER: Jetzt sind Bürgerinnen und Bürger gefragt!

21.01.2021

"Wie stellen Sie sich das Rheinische Revier im Jahr 2050 vor?" - Mit dieser Frage startet der Online Dialog zur Zukunftsgestaltung der Bioökonomie im Rheinischen Revier. Die Internet-Plattform ist ein zentraler Baustein des Bürgerbeteiligungsprozesses der Initiative BioökonomieREVIER, die vom Forschungszentrum in Jülich koordiniert wird.

Das Centrum für Umweltmanagement, Ressourcen und Energie (CURE) der Ruhr-Universität Bochum (ehemals KWI) entwickelt, erprobt und erforscht als Partner von BioökonomieREVIER innovative Verfahren der Beteiligung von Bürgern, Forschung und Politik.

Viele Menschen haben keine konkrete Vorstellung, was genau sich hinter dem Begriff "Bioökonomie" genau verbirgt und wieso sie das Thema überhaupt etwas angeht.

Das will das Projektteam ändern. In drei Stufen lädt die Online-Plattform zur Beteiligung ein. In der ersten Stufe wird nach ganz persönlichen Zukunftsvisionen für das Rheinische Revier gefragt: Wie wird unsere zukünftige Ernährung im Rheinischen Revier aussehen? Wie wird sich die Landschaft verändern? Was können wir im Jahr 2050 alles aus biologischen Ressourcen herstellen? Die Fragen stellen einen Bezug zum Alltag her und fragen nach ganz konkreten Situationen im Leben im Rheinischen Revier in 30 Jahren, in denen sich die Zukunft der Bioökonomie zeigen kann.

Wir laden alle Bürgerinnen und Bürger des Rheinischen Reviers herzlich ein, auf www.dialog.biooekonomierevier.de mitzumachen!

Die Beiträge können bewertet und kommentiert werden. Der erste Dialog auf der Online-Plattform läuft bis zum 7. März 2021. Neben diesen Startfragen sind zwei weitere Befragungen im Februar und März geplant. Darüber hinaus bietet die Plattform die Möglichkeit, sich über die geplanten Beteiligungsprozesse zur regionalen Bioökonomie und ihre Ergebnisse zu informieren. Bringen Sie sich ein und teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

 

Zur Online-Beteiligungsplattform

Umzug der Forschungsgruppe für Partizipationsforschung zum CURE

01.01.2021

Zu Beginn des Jahres 2021 ist das gesamte Team der Forschungsgruppe PartizipationsKultur vom Kulturwissenschaftlichen Institut in Essen (KWI) an die Ruhr-Universität nach Bochum gewechselt. Dort wird sie als Teil des Centrums für Umweltmanagement, Ressourcen und Energie (CURE) die Forschung zu Partizipation und nachhaltiger Transformation weiterführen und vertiefen können. Bestehende Projekte wie die Bürgerbeteiligung für das BioökonomieREVIER werden weitergeführt.

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Partizipation: Dialoge mit Mundschutz - oder doch lieber Online?

© KWI

16.11.2020

Bürger und Bürgerinnen in Beteiligungsprozesse einbinden und Dialoge führen – geht das in Zeiten der Covid19-Pandemie? Von den Lockdowns im März und im November sowie den geltenden Verhaltensregeln sind auch wir als Organisierende und Forschende innerhalb des Forschungsbereichs PartizipationsKultur am Kulturwissenschaftlichen Institut (KWI) in Essen betroffen. Das Land scheint sich in Schockstarre zu befinden und Kontakte jeglicher Art werden schlagartig als eine gesundheitliche Gefährdung angesehen. Aber persönliche Gespräche und Dialoge vis-á-vis stellen den Kern einer Beteiligungskultur dar.

Auf Abstand bleiben und Distanz halten zu Menschen, die nicht zum eigenen Haushalt gehören: Dies alles steht im starken Widerspruch zu einem partizipativen Ansatz, der auf analoge Beteiligung setzt.

Hier führen Menschen Gespräche, stecken die Köpfe zusammen, um einen Planungsentwurf auf einer Karte zu kommentieren. Auch treffen zumeist viele unbekannte Menschen aufeinander. Beteiligung lebt vom sozialen Miteinander, dem Vertrauen, das sich bildet und auch dem Streiten und dem Sich-Einigen-Können.

Wir als Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus der Partizipationskultur entwickeln, erproben und analysieren dialogorientierte Bürgerbeteiligungsformate. In einer Umfrage des Berlin Institutes für Partizipation (bipar) im April 2020 zeigte sich, dass nahezu alle dialogischen Verfahren durch die Pandemie unterbrochen wurden. Eine rein digitale Beteiligung für die betroffenen Verfahren war zu diesem Zeitpunkt nicht denkbar. Eine Weiterführung der analogen Beteiligungsverfahren fand in der digitalen Form spontan nicht statt. Da stellt sich die Frage: Wie geht Bürgerbeteiligung unter Corona-Bedingungen?


Die aktuellen Verhaltensregeln minimieren den sozialen Kontakt, weil alle Menschen vorsichtiger geworden sind. Als im Sommer endlich wieder Gruppen zusammenkommen durften, wurde strengstens auf einen Abstand von mind. 1,50 m geachtet. In geschlossenen Räumen sollte ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Es war absehbar, dass ab dem Herbst nur noch bedingt Zusammenkünfte erlaubt sein durften. Daher bleibt es noch eine Weile unklar, wann wir die geplanten Beteiligungsprozesse beginnen können.

Bis in das Jahr 2021 hinein, so scheint die Lage sich aktuell darzustellen, haben wir nur die Wahl zwischen Präsenz-Gesprächen in kleinen Gruppen mit Mund-Nasen-Schutz und der technischen Distanz, den digitalen Beteiligungsformaten. Digitale Formate können sicherlich partizipative Prozesse weiterführen und damit verstetigen. Aber wird das genügen?


Sicher ist ein Gespräch mit Maske besser und sinnvoller als gar kein Gespräch. Das soziale Miteinander ist geprägt durch Gesichtsmimik, Körpersprache und emotionale Äußerungen. Freude, Zweifel, Trauer, Ironie – alles wird durch die Muskeln rund um Nase und Mund mit übermittelt. Eine nicht sichtbare Mimik beeinträchtigt die Kommunikation stark. Auch wird nicht immer alles aufgrund der geringeren Lautstärke verstanden. Es ist nicht unmöglich sich zu verstehen, wird aber anstrengender.


Die Alternative sind virtuelle Treffen und Gesprächsrunden. In der Theorie stellen die vom Raum gelösten Online-Beteiligungen eine gute Möglichkeit dar, die Prozesse weiterzuführen. So kennen sich heute – „nach einem drei Viertel Jahr Corona“ - viel mehr Menschen mit virtuellen Sitzungen aus, wissen was Zoom, BigBlueButtom etc. heißt und bewegen sich mehr oder weniger munter zwischen Chats, Breakout Sessions und geteilten Bildschirmen hin und her.


Allerdings weisen virtuelle Veranstaltungen spezielle Herausforderungen auf. So kann die fehlende digitale Ausstattung und Infrastruktur sowie ggf. auch Übung mancher Akteure und Akteurinnen die Teilnahme an diesen Veranstaltungen komplett verhindern oder erschweren. Auch finden die Teilnehmenden kaum eine Möglichkeit, neben dem Hauptgeschehen persönliche oder informelle Gespräche zu führen. Einerseits ist es von Vorteil, sich eine oft weite und teilweise kostenintensive Anreise zu sparen und mehr Gespräche in eine (Arbeits-)Woche legen zu können. Allerdings führt dieser Effekt unweigerlich zu einer größeren Anzahl an (virtuellen) Gesprächen und Veranstaltungen als zur „Vor-Corona-Zeit“. Diese Überbeanspruchung, Dichte und Dauer-Online-Teilnahme kann auch zu Überdruss führen.

Aufgrund des Ansteckungsrisikos und der erschwerten Kommunikation haben wir uns entschlossen, im Winter keine analogen Veranstaltungen zu organisieren. Wir planen analoge Bürgerbeteiligungsformate für das Rheinische Revier ab dem Frühjahr 2021. Für ein Mindestmaß an Beteiligung über den Winter ist eine Online-Plattform in Arbeit. Diese wird voraussichtlich im Dezember an den Start gehen.

Autorin: Ute Goerke

Partizipation am KWI in Essen

Bundesforschungsministerin Karliczek besucht die MS Wissenschaft

© BMBF/Hans-Joachim Rickel

24.08.2020

Am 21. August besuchte Bundesforschungsministerin Anja Karliczek in Köln die schwimmende Bioökonomie-Ausstellung auf der MS Wissenschaft. Drei Exponate wurden der Ministerin von Dr. Holger Klose im Detail erläutert, darunter das Exponat „Sauberes Wasser durch Algen“ von Bioeconomy Science Center und dem Institut für Pflanzenwissenschaften am Forschungszentrum Jülich.

Am 21. August besuchte Bundesforschungsministerin Anja Karliczek in Köln die schwimmende Bioökonomie-Ausstellung auf der MS Wissenschaft. Drei Exponate wurden der Ministerin im Detail erläutert, darunter das Exponat „Sauberes Wasser durch Algen“ von Bioeconomy Science Center und IBG-2 Pflanzenwissenschaften, Forschungszentrum Jülich, das von Dr. Holger Klose vorgestellt wurde.

Die MS Wissenschaft ist seit dem 30. Juli auf ihrer Ausstellungsreise durch Deutschland unterwegs. Auf dem Schiff lassen sich viele Facetten der Bioökonomie an rund 30 interaktiven Exponaten entdecken. Eines davon ist das Exponat „Sauberes Wasser durch Algen“, das in Form eines Flippers veranschaulicht, wie man mit Algen Abwässer reinigen und wertvolle Nährstoffe zurückgewinnen kann.

Der „AlgenFlipper“ war eins von drei Exponaten, über das sich Anja Karliczek, Bundesministerin für Bildung und Forschung, bei ihrem Besuch am 21. August detailliert informierte. Dr. Holger Klose (Forschungszentrum Jülich/BioSC) erläuterte der Ministerin die Grundlagen des so genannten AlgalTurfScrubbing, bei dem Abwässer über einen Algenrasen geleitet werden. Die Algen nehmen Nährstoffe wie z.B. Nitrat und Phosphat aus dem Abwasser auf und nutzen sie für ihr Wachstum. Das Resultat sind sauberes Wasser und eine nährstoffreiche Algenbiomasse, die als Dünger genutzt werden kann.

Ministerin Karliczek sagte anlässlich ihres Ausstellungsbesuchs: „Ich freue mich, dass die MS Wissenschaft in diesen Tagen Halt in Köln macht. Ich finde die Ausstellung klasse und hoffe, dass möglichst viele Menschen die Chance nutzen, sich über das Thema Bioökonomie zu informieren. An Bord können alle Interessierten interaktiv erfahren, wie Forschung und Innovationen zu einer nachhaltigen Zukunft beitragen. Denn wir alle stehen gemeinsam vor großen Herausforderungen: Die wachsende Weltbevölkerung benötigt immer mehr Nahrungsmittel und Rohstoffe. Gleichzeitig müssen wir Umwelt, Klima und Artenvielfalt schützen. Nur so können wir unsere Lebensgrundlagen bewahren.

Wir brauchen deshalb neue Wege, um nachhaltiger zu leben und zu wirtschaften. Die Bioökonomie zeigt uns, wie das gelingen kann. Die Bundesregierung unterstützt dies mit der in diesem Jahr veröffentlichten Nationalen Bioökonomiestrategie. Im Wissenschaftsjahr Bioökonomie wollen wir die Menschen im Land auf die vielfältigen Chancen der Bioökonomie aufmerksam machen. Ich freue mich, dass die Ausstellung bereits auf großes Interesse stößt. Der MS Wissenschaft wünsche ich weiterhin eine gute Fahrt und zahlreiche neugierige Gäste.“

Das Schiff fährt von Köln aus weiter über Rhein und Main nach Franken, anschließend dann über die Donau bis nach Straubing. Dort endet die diesjährige Tour am 17. Oktober. Im Jahr 2021 wird die Ausstellung in vielen weiteren Städten zu sehen sein. Die Ausstellung wird für Besucherinnen und Besucher ab zwölf Jahren empfohlen. Der Eintritt ist frei. An Bord gelten Abstands- und Hygieneregeln sowie Maskenpflicht.

Institut für Pflanzenwissenschaften am Forschungszentrum Jülich

MS Wissenschaft

Blogbeitrag "Nährstoffrecycling mit Algen": Der AlgenFlipper auf der MS Wissenschaft"

Bioeconomy Science Center (BioSC)

MS Wissenschaft – Bioökonomie: Der Film zur Tour

 

MS Wissenschaft gestartet: Bioökonomie auf Rheinschiff entdecken

30.07.2020

Jülicher Forscher mit Beitrag "Sauberes Wasser durch Algen" beteiligt

Am 30. Juli ist in Münster die MS Wissenschaft gestartet, die seit vielen Jahren als Ausstellungsschiff im Rahmen der Wissenschaftsjahre unterwegs ist. Im Wissenschaftsjahr Bioökonomie ist ein gemeinsames Exponat des Bioeconomy Science Center und des IBG-2 Pflanzenwissenschaften, Forschungszentrum Jülich, an Bord. Es veranschaulicht, wie man mit Hilfe von Algen Abwasser reinigen und wertvolle Nährstoffe zurückgewinnen kann.

Seit 2002 ist das Ausstellungsschiff MS Wissenschaft im Sommerhalbjahr auf deutschen und österreichischen Binnengewässern unterwegs. Gezeigt werden interaktive Exponate zum Thema des jeweiligen Wissenschaftsjahres.
Die Tour im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2020/21 Bioökonomie ist am 30. Juli in Münster gestartet. Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (Bundesministerium für Bildung und Forschung) eröffnete die Ausstellung. „Ich freue mich sehr, dass es für die MS-Wissenschaft auch in diesem Jahr wieder heißt: ‚Leinen los!‘“ sagte sie.

Beim anschließenden Rundgang präsentierte Dr. Christina Kuchendorf (IBG-2/BioSC) das Exponat „Sauberes Wasser durch Algen“. In Form eines Flippers wird das so genannte AlgalTurfScrubbing dargestellt, bei dem Abwässer über einen Algenrasen fließen und dabei gereinigt werden. In dem Flipper werden blaue und grüne Kugeln, die Wasser und Nährstoffe (z.B. Phosphat) darstellen, auf eine Fläche geleitet, die einen Algenrasen darstellt. Die Wasser-Kugeln fließen weiter, die Nährstoff-Kugeln werden magnetisch auf der Fläche festgehalten und können mit einem Schaber gesammelt werden.

Beim realen AlgalTurfScrubbing nutzen die Algen das Phosphat, Nitrat und andere Nährstoffe aus dem Wasser, um zu wachsen. Etwa alle 10 Tage werden sie geerntet und die Algenbiomasse wird anstelle von mineralischen Düngern auf Feldern ausgebracht. Auf diese Weise sollen die Nährstoffe in einen Kreislauf zurückgeführt werden, anstatt im Klärschlamm oder in Gewässern zu landen, wo sie nicht mehr nutzbar oder sogar schädlich für die Umwelt sind. AlgalTurfScrubbing ist einfach, kostengünstig und an vielen Orten anwendbar.


Die MS Wissenschaft ist 2020 bis zum 17. Oktober unterwegs. Und 2021 gibt es eine zweite Tour zum Thema Bioökonomie. Mehr Informationen sowie den Tourplan finden Sie unter

https://ms-wissenschaft.de/

Mehr Informationen zu der Gewässerreinigung mit Algen gibt es unter https://blogs.fz-juelich.de/biooekonomie

Interessensforum Bügerbeteiligung Bioökonomie wählt Lenkungsgruppe

© KWI Essen

16.06.2020

Bürgerbeteiligung lebt vom persönlichen Kontakt: so lautet die reine Lehre. Dann aber kam Corona und stellte unser Leben auf den Kopf.

Wie beteiligt man Menschen, die sich nicht real sehen und miteinander reden können?

Diese Herausforderung gilt es zusätzlich im Projekt BioökonomieREVIER zu meistern. Kernthema ist das Organisieren und Umsetzen eines Beteiligungsprozesses, bei dem die Interessen und das Wissen der Menschen in der Region des Rheinischen Reviers im Mittelpunkt stehen.

Am 16. Juni fand die erste offizielle Veranstaltung dieses Beteiligungsprozesses Bioökonomie für das Rheinische Revier statt - aufgrund der anhaltenden Corona-Pandemie im virtuellen Raum. Vertetende der organisierten Interessen des Reviers in den Bereichen Zivilgesellschaft, Landwirtschaft, Wirtschafts- & Sozialpartner, Wissenschaft & Bildung sowie Politik & Verwaltung waren im Interessensforum vertreten, um sich über den Beteiligungsprozess zu informieren und eine Lenkungsgruppe zu wählen. Die Lenkungsgruppe wird den weiteren Beteiligungsprozess begleiten und steuern.

Forschende des Kulturwissenschaftlichen Instituts in Essen (KWI) stellten den etwa 40 Teilnehmende ihr Beteiligungskonzept vor, mit dem sie eine faire und gerechte Beteiligung der Bürger und Bürgerinnen zum Thema Bioökonomie im Rheinischen Revier realisieren wollen. Hierzu sind mehrere zusammenwirkende Beteiligungsformate geplant. Das KWI forscht seit Jahren zum Thema Bürgerbeteiligung und will diesen Prozess dynamisch nach den Bedürfnissen der Menschen vor Ort ausrichten.

Auch die KWI-Mitarbeiter arbeiteten wochenlang in der Vorbereitungszeit im Homeoffice und trafen Absprachen meist über Telefon und Videokonferenzen. Um diese erschwerten Bedingungen und den fehlenden analogen Kontakt zu Menschen im Rheinischen Revier in der Prozessvorbereitung auszugleichen, trafen sie sich virtuell mit einer fünfköpfigen Vorbereitungsgruppe. Diese Gruppe schlug mögliche Personen aus dem Rheinischen Revier vor, die zu dem Interessensforum eingeladen wurden.

 

Die Lenkungsgruppe

Die fünf Interessensgruppen wählten jeweils zwei Vertreter und Vertreterinnen aus ihren Reihen:

Zivilgesellschaft: Antje Grothus (Zivilgesellschaftlicher Koordinierungskreis Strukturwandel, Klima Allianz NRW) und Dr. Lutz Dalbeck (Biologische Station im Kreis Düren e.V.)

Landwirtschaft: Anna Steinmann (Junglandwirtin aus Vettweiß) und Erich Gussen (Kreisbauernschaft Düren, Rheinischer Landwirtschaftsverband)

Wirtschafts- & Sozialpartner: Ann-Katrin Steibert (DGB/Region NRW Süd-West) und Timothy Fitschen (Agentur für Arbeit)

Wissenschaft & Bildung: Manfred Körber (Leiter Nell-Breuning-Haus) und Prof. Ulrich Schurr (Forschungszentrum Jülich, Inst. f. Pflanzenwissenschaften)

Politik & Verwaltung: Prof. Christiane Vaeßen (Region Aachen Zweckverband) und Hans-Martin Steins (Umweltamt Kreis Düren).

 

So wird sichergestellt, dass die Vielfalt der unterschiedlichen Interessen im Rheinischen Revier möglichst gut vertreten wird.

Die gewählte Lenkungsgruppe steuert den gesamten Beteiligungsprozess; die Koordination und Planung erfolgt zusammen mit dem KWI. Im Zentrum steht eine große Bürgerversammlung, die Beiträge für eine regionale Strategie entwickeln soll. Besondere lokale Herausforderungen werden vor Ort in zwei kleineren Bürgerräten bearbeitet. Auf einer Online-Plattform können alle Menschen des Rheinischen Reviers Vorschläge einbringen und mitdiskutieren.

Damit stellt die Lenkungsgruppe eine Schnittstelle zwischen der Bevölkerung und den organisierten Interessen in der Region dar. Sie informiert und mobilisiert die Bürger und Bürgerinnen in der Region, damit diese sich möglichst zahlreich bei der Entwicklung der Regionalstrategie für das BioökonomieREVIER einbringen. Zudem ist sie als regionales Gremium für die Qualitätssicherung des Beteiligungsprozesses und die Kontrolle der späteren Umsetzung der Beteiligungsergebnisse zuständig.

Das KWI bedankt sich bei allen Teilnehmenden für den regen Austausch und die große Unterstützungsbereitschaft.

Autorin: Sonja Knobbe, KWI Essen

Forschende des Kulturwissenschaftlichen Instituts in Essen (KWI)

Austausch zu Demokratie und Partizipation im Rheinischen Revier und der Lausitz

19.04.2020

Bürgerbeteiligung: Ausgekohlt - und dann?                                     

Wie kann Strukturwandel demokratisch organisiert werden und welche Rolle nimmt dabei die Partizipation ein?

Hierfür trafen sich Forscherinnen und Forscher in Potsdam, um diesen Fragen am Beispiel der unterschiedlichen Braunkohle-Regionen Rheinisches Revier und Lausitz nachzugehen.

Das sozialwissenschaftliche Projektteam des Forschungsbereichs Partizipationskultur am Kulturwissenschaftlichen Institut in Essen (KWI), das im Rahmen des BMBF-Projekts "Entwicklung der Modellregion BioökonomieREVIER Rheinland" den Beteiligungsprozess umsetzt, reiste zusammen mit Dr. Sandra Venghaus, FZ Jülich, der Leiterin des BioSC-Projektes "Transform2Bio- Integrated Transformation Processes and Their Regional Implementations: Structural Change from Fossil Economy to Bioeconomy", vom 25. bis zum 26. Februar an das Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung in Potsdam (IASS).

Ziel war es, mit der IASS-Forschungsgruppe „Sozialer Strukturwandel und responsive Politikberatung in der Lausitz", den Strukturwandel in der Lausitz und dem Rheinischen Revier aus einer demokratie-theoretischen Perspektive zu betrachten. Die Essener Projektgruppe will dialogorientierte Bürgerbeteiligungs-Angebote, die die Menschen des Rheinischen Reviers einbindet und mitgestalten lässt, entwickeln, erproben und evaluieren. Sie begleitet die Strukturwandel-induzierte, strategische Entwicklung des Rheinlands hin zu einer Modellregion für nachhaltige Bioökonomie.

Strukturwandel wird eingefordert, wenn Wirtschaftsbereiche wegbrechen und Arbeitsplätze bedroht sind - so wie in den Kohle-Abbauregionen. Vor dem Hintergrund der Auseinandersetzungen in den Regionen um bevorstehende ökonomische, soziale und kulturelle Einschnitte, Umsiedlungen, den Fragen nach der Verteilungsgerechtigkeit und nicht zuletzt den Herausforderungen des Klimawandels ist der Kohleausstieg eine gesamt-gesellschaftliche Aufgabe. Die Akteure und Akteurinnen in der Region müssen auf faire Weise aushandeln, was und wie etwas Neues entstehen soll.

Im Vergleich der beiden Regionen arbeitete die Gruppe erste Gemeinsamkeiten und Unterschiede heraus. Sowohl die Lausitz als auch das Rheinische Revier wurden durch den Braunkohletagebau und deren Abhängigkeit von der Kohle bestimmt. In beiden Regionen existiert keine kulturelle und historische Zuschreibung als zusammenhängende Region.

Ein zentraler Unterschied der beiden Regionen ist die Wende-Erfahrung der Lausitz. Die Region hat bis heute mit den Nachwirkungen der damaligen Einschnitte zu kämpfen, wodurch viel Vertrauen verloren ging. Dem Rheinischen Revier hingegen wird u.a. aufgrund seiner starken Forschungslandschaft ein hohes Innovationspotential zugeschrieben, womit es „mutiger" nach vorne geht. In der Lausitz blockieren zudem die dort vorhandenen rechtspopulistischen Strömungen eine zukunftsorientierte Gestaltung an vielen Stellen.

Für beide Regionen zentral erachten die Forscher in einem ersten Fazit, die Gemeinwohlorientierung und die Bevölkerung - als Brücke für Kontinuität, Wachstum und Industriepolitik - in Entscheidungen einzubinden. Dabei muss jede Art der Beteiligung die damit verbundenen Ziele klar und transparent kommunizieren, so Dr. Jan-Hendrik Kamlage (KWI) und Dr. Johannes Staemmler vom IASS. Auch birgt die kulturelle Dimension Chancen: So können beispielsweise Künstlerinnen und Künstler sowie Kreativschaffende daran mitwirken, Zukunftsbilder (mit) zu entwickeln. Die hier begonnene fruchtbare Zusammenarbeit soll zukünftig weiter vorangetrieben werden.

Autorin: Ute Goerke, KWI Essen 

Weitere Informationen:

Kulturwissenschaftliches Institut Essen, Projekt "Entwicklung der Modellregion BioökonomieREVIER Rheinland"

Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung Potsdam

BioSC Kompentenzplattform Transform2Bio am Forschungszentrum Jülich

Wissenschaftsjahr 2020 zur Bioökonomie: "Nachhaltiges Wirtschaften durch Integration"

27.03.2020

In einem Beitrag zum Wissenschaftsjahr erläutert Prof. Dr. Ulrich Schurr vom Forschungszentrum Jülich, wie sich moderne Technologie zu einer nachhaltigen Nutzung von Pflanzen einsetzen lassen

Echte Wertschöpfung in der Bioökonomie und eine Kreislaufwirtschaft entstehen vor allem durch Kooperation und Integration verschiedenster Disziplinen.

Eine nachhaltige Bioökonomie läßt sich in Modellregionen wie im BioökonomieREVIER Rheinland umsetzen, wenn regionale Stärken herausgearbeitet und weiterentwickelt werden.

Erfahren Sie mehr hierzu in dem Beitrag "Nachhaltiges Wirtschaften durch Integration".

Mehr zum Wissenschaftsjahr 2020|21

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Zukunftsrat "Bioökonomie NRW 2038?!" - dialogorientierte Bürgerbeteiligung in Merzenich

24.01.2020

Wie kann der Wandel hin zu einer ressourcenschonenden Wirtschafts- und Lebensweise gelingen? Diese und weitere Fragen wurden im Zukunftsrat „Bioökonomie NRW 2038?!“ am 24. und 25. Januar 2020 in Merzenich besprochen. Zwanzig zufällig ausgewählte Bürger*innen entwickelten mit Expert*innen aus Politik und Wissenschaft politische Handlungsempfehlungen für eine Wirtschaft, die auf nachwachsenden Rohstoffen basiert.

Wie kann der Wandel hin zu einer ressourcenschonenden Wirtschafts- und Lebensweise gelingen? Diese und weitere Fragen wurden im Zukunftsrat „Bioökonomie NRW 2038?!“ am 24. und 25. Januar 2020 in Merzenich besprochen. Zwanzig zufällig ausgewählte Bürger*innen entwickelten mit Expert*innen aus Politik und Wissenschaft politische Handlungsempfehlungen für eine Wirtschaft, die auf nachwachsenden Rohstoffen basiert.

Der Zukunftsrat ist ein innovatives Format der dialogorientierten Bürgerbeteiligung, das vom Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) erprobt und erforscht wird.
Das Ziel des Zukunftsrates war es, mit Bürger*innen und Expert*innen mögliche Zukunftsentwürfe einer nachhaltigen Bioökonomie in NRW zu besprechen und Empfehlungen an die Politik zu formulieren. „Wir brauchen einen gesellschaftlichen Dialog darüber, welche Bioökonomie wir uns wünschen, wie wir Nachhaltigkeit sicherstellen können und wie wir unsere Lebensweisen dafür ändern wollen. Der Zukunftsrat bietet hierfür einen spannenden Raum, begründete Vorschläge für deren Gestaltung zu erarbeiten“, betonte Dr. Jan-Hendrik Kamlage, Leiter des Forschungsbereichs Partizipationskultur am KWI die Intention des Zukunftsrates.

Begrüßt wurden die Teilnehmenden durch Georg Gelhausen, Bürgermeister der Gemeinde Merzenich, und Dr. Kirsten Bender, vom Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen (MWIDE NRW) – Referat IV A 5 Transfer, Industrie 4.0, Biotechnologie/Bioökonomie, Textilindustrie, Patentverwertung. Beide zeigten sich erfreut über das Engagement der Bürger*innen. Georg Gelhausen betonte dabei die Rolle von Partizipation im Rahmen großer Transformationsprozesse: „Strukturwandel im Rheinischen Revier braucht Zukunft zum Anfassen, Fühlen und Schmecken. Das kann und will die Modellregion Nachhaltige Bioökonomie hier leisten. Die Wünsche und Ideen der Bürger*innen sind dabei von entscheidender Bedeutung, um diese Zukunft gemeinsam zu gestalten“.

Mit den hochrangigen geladenen Expert*innen Julia Lehmann vom C.A.R.M.E.N. e.V., Johannes Rupp vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschungund Prof. Dr. Ulrich Schurr vom Forschungszentrum Jülich diskutierten die Bürger*innen Möglichkeiten einer zirkulären Wertschöpfung. Weitere Themen waren der ökologische Fußabdruck von Produkten, technologische Innovationen und ihre positiven wie negativen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt sowie auch regionale Strukturen und globale Verantwortung. Begleitet wurde der Zukunftsrat durch einen Markt der Möglichkeiten, auf dem u. a. Hans-Jürgen Körner vom Fraunhofer UMSICHT und Dr. Monika Zulawski vom Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung über energetische und stoffliche Nutzungsmöglichkeiten von Biomasse informierten. Die Ausstellung „Bioökonomie zum Anfassen: Biobasierte Produkte im Alltag“ des C.A.R.M.E.N. e.V. machte das Thema greifbar.

Im intensiven Austausch in Kleingruppen formulierten die Bürger*innen schließlich wünschenswerte zukünftige Entwicklungen und erarbeiteten politische Handlungsempfehlungen. „Wir stehen ganz am Anfang eines Prozesses. Wir haben wichtige Themen identifiziert, diese müssen weiterverfolgt werden. Der Anfang ist gemacht, eine gemeinsame Vision ist im Entstehen“, resümierte eine Bürgerin.

"Ich hätte so einen Zukunftsrat gerne dauerhaft dabei. Bei der Frage, in welche Richtung sich die Bioökonomie entwickelt, sollten, können und wollen Bürger*innen mitreden,“ äußert sich ein Bürger über die Möglichkeit zur Mitsprache. Insbesondere in Regionen, die wie das Rheinische Revier vom Strukturwandel betroffen sind, seien Begleitgremien dieser Art seiner Ansicht nach wichtig. Nur so könne ein Dialog entlang der Wertschöpfungsnetzwerke angestoßen werden.

Autorinnen: Nicole de Vries und Dr. Julia Reinermann

Weitere Informationen finden Sie auf der Projektwebsite www.dialogbiooekonomie.de oder auf den Seiten des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen.

Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen

 

Bioökonomie am Tag der Neugier

07.07.2019

Die Aktionen zur Bioökonomie sorgten für viel Begeisterung bei den Besuchern am Tag der Neugier. Das Forschungszentrum Jülich präsentierte u.a. seine Aktivitäten in der Bioökonomie-Forschung sowie die Vision der Modellregion BioökonomieREVIER. Ein Bioökonomie-Pfad und eine Bioökonomie-Ausstellung veranschaulichten den Besuchern, welche Chancen und Potenziale die Bioökonomie für die Region in der Zukunft bieten kann.

Alle drei Jahre lädt das Forschungszentrum Jülich (FZJ) zum Tag der Neugier die Region ein, um über seine Forschung zu den Themen Energie, Information und Bioökonomie zu informieren. Am 7. Juli 2019 war es wieder soweit; ca. 28.000 Besucher strömten auf den Campus. "Eine Region im Wandel" war im Rahmen des Mottos "Reise in die Zukunft" der Slogan, der die Strukturwandelinititiativen des FZJ zusammenfasste. Neben einer Reihe von Vorträgen im Bühnenprogramm der Zentralbibliothek konnten sich die Besucher auf dem Bioökonomiepfad über aktuelle Themen der Bioökonomie-Forschung am FZJ informieren (Biotechnologie, Pflanzenwissenschaften, Agrosphäre).

Ein besonderes Highlight stellte die Bioökonomie-Ausstellung dar, die in einer Kooperation von BioökonmieREVIER mit dem Bioeconomy Sience Center entwickelt wurde. Im neuen Forschungsewächshaus des Instituts für Pflanzenwissenschaften (IBG-2) konnten sich die Besucher über innovative Forschungskonzepte, -anlagen und am Markt etablierte sowie regionale biobasierte Produkte informieren. Teil der Ausstellung war eine Zukunftswerkstatt Bioökonomie, die den Besuchern die Möglichkeit bot, ihre Sorgen und Wünsche für den Strukturwandel darzustellen.

Insgesamt besuchten ca. 4000-5000 Personen die Ausstellung und waren von den Aktivitäten, den Chancen und dem Potenzial der Bioökonomie durchweg beeindruckt. Der Wunsch nach mehr Informationen wurde betont und das Angebot in "Wie können wir (Bürger) Sie untersützen?" war ein ermutigendes Signal der Bevölkerung, die Arbeit an der Entwicklung der Modellregion BioökonomieREVIER Rheinland tatkräftig fortzusetzen.

Mehr Informationen zum Tag der Neugier finden Sie hier!

Ansprechpartnerin

Anke Krüger

Kommunikation

Koordinierungsstelle BioökonomieREVIER

02461 61-85448

FZJ

Erklärt: was ist Bürgerbeteiligung?

Teilhabe oder Mitgestaltung der Bürger an einem Planungsund Entscheidungsprozess durch Information, Konsultation oder Kooperation.

Im Rheinischen Revier gibt es für die Umstellung auf bio-basiertes Wirtschaften einen eigenen Beteiligungsprozeß zum Thema Bioökonomie.

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